Arbeitskampf : Bahnkunden bleiben sitzen

Die Auswirkungen des Arbeitskampfs bei der Deutschen Bahn werden die Kunden morgen stark zu spüren bekommen. Von fünf bis neun Uhr sollen keine Züge fahren. Auch die S-Bahn-Netze Berlins und anderer deutscher Großstädte sollen lahmgelegt werden.

Bahn-Streiks
Morgen früh soll der Zugverkehr deutschlandweit zum Erliegen kommen. Das Chaos an den Bahnhöfen im Berufsverkehr ist...Foto: dpa

Nach ersten regional begrenzten Warnstreiks müssen Bahnkunden am Dienstag bundesweit mit massiven Beeinträchtigungen im Bahnverkehr rechnen. Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) kündigte für 5 Uhr bis 9 Uhr morgens Arbeitsniederlegungen im gesamten Bundesgebiet an und riet allen Reisenden, in dieser Zeit auf Zugfahrten zu verzichten. Es würden bundesweit nicht viele Züge fahren, sagte eine Sprecherin. Auch der S-Bahnverkehr soll betroffen sein, weshalb es im Berufsverkehr in Großstädten oder Ballungsräumen wie Berlin, Frankfurt oder München zu einem Verkehrschaos kommen könnte.

Auch die Gewerkschaften Transnet und GDBA wollen mit weiteren Arbeitsniederlegungen Druck in den laufenden Tarifverhandlungen machen und ihre Warnstreiks am Dienstag mit "gesteigerter Intensität" fortsetzen. Ein Schwerpunkt soll Baden-Württemberg sein. Im Gegensatz zum Montag wollen die Beschäftigten zudem den ganzen Tag über die Arbeit kurz niederlegen.

Warnstreiks an 13 Standorten

Am Montag hatten Transnet und GDBA vor allem den Nahverkehr bestreikt. Schwerpunkte der Warnstreiks waren ihren Angaben zufolge Rostock, Halberstadt, Freiburg, Karlsruhe und Kempten, wo der Zugverkehr stark beeinträchtigt wurde oder zum Teil kurzfristig zum Erliegen kam. Auch im ICE-Werk in München sowie in den Werkstätten in Frankfurt am Main traten Arbeitnehmer in den Ausstand. Insgesamt gab es Warnstreiks an 13 Standorten. Rund 500 Eisenbahner legten die Arbeit nieder.

Die Tarifverhandlungen mit Transnet und GDBA für die 134.000 Bahn-Beschäftigten waren am Wochenende ergebnislos vertagt worden. Die beiden Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Lohn. Die Bahn bot neben einer Einmalzahlung von 300 Euro Erhöhungen um jeweils zwei Prozent für die Jahre 2008 und 2009 an. Die GDL nimmt an den Verhandlungen nicht teil, weil sie einen eigenen Tarifvertrag fordert. Sie will, Arbeitszeit und Zulagen eingerechnet, bis zu 31 Prozent mehr Lohn für die Lokomotivführer und das Zugpersonal durchsetzen. "Die Deutsche Bahn lässt uns keine Wahl", erklärte der GDL-Bundesvorsitzende Manfred Schell.

Bahn bezeichnet GDL-Forderung als "Wahnwitz"

Deutsche Bahn Streiks
Das Reisen mit der Bahn ist derzeit schwer kalkulierbar. Streiks sollen am morgigen Dienstag flächendeckend beginnen. -Foto: dpa

Der Konzern kritisierte die Streiks der Gewerkschaften scharf. "Wer jetzt in der Ferienzeit streikt und Millionen von Kunden behindert, der hat kein Verständnis in der Öffentlichkeit verdient", erklärte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale. Der GDL warf sie vor, offensichtlich keine Gespräche zu wollen. Deren Forderung von bis zu 31 Prozent Lohnsteigerung seien ein "Wahnwitz".

DB-Personenverkehrschef Karl-Friedrich Rausch forderte die Gewerkschaften in Brüssel am Rande einer Veranstaltung mit anderen europäischen Bahnen auf, möglichst in den kommenden Tagen neue Gespräche aufzunehmen. Er könne sich keinen Streik über Wochen vorstellen.

Erstattung des Reisepreises möglich

Die Deutsche Bahn bietet Reisenden eine kostenlose Service-Hotline ein, um sich über Beeinträchtigungen zu informieren. Aktuelle Informationen sind auch auf der Internetseite der Bahn erhältlich. Fahrgäste, die an einem Streiktag aufgrund streikbedingter Zugausfälle oder Verspätungen ihre Reise nicht antreten können, haben laut Bahn die Möglichkeit, ihre Fahrkarte umzutauschen oder sich den Reisepreis erstatten zu lassen.

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Horst Friedrich, warf Bahnvorstand und Transnet ein "durchsichtiges Theater" vor. Es sei längst klar, dass es einen hohen Abschluss für die Gewerkschaft geben werde. Das sei die Gegenleistung für die Unterstützung des Bahn-Börsengangs durch Transnet-Chef Norbert Hansen.