Arbeitskampf : DIW befürchtet tägliche Millionenverluste durch Bahnstreik

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt, dass die Unternehmen durch den Lokführer-Streik mit Schäden in Millionenhöhe rechnen müssen. Viele Branchen sind auf die Bahn angewiesen und können die Ausfälle nur ein oder zwei Tage auffangen.

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Alle Räder stehen still: Der größte deutsche Rangierbahnhof in Maschen. -Foto: dpa

BerlinDeutsche Unternehmen müssen sich nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wegen der angekündigten Streiks der Lokführer auf erhebliche Verluste einstellen. Komme es zu flächendeckenden Arbeitsniederlegungen bei der Güterbeförderung, "wären durchaus zwei- bis dreistellige Millionenbeträge pro Tag fällig", sagte DIW-Verkehrsexpertin Claudia Kemfert der "Frankfurter Rundschau". Während Betriebe der Nahrungsmittelbranche im Notfall noch auf Lkw umsteigen könnten, seien insbesondere die Stahlhersteller und Metallverarbeiter "stark auf die Bahn angewiesen". Müsse die Produktion gestoppt werden, könnten sehr schnell hohe Kosten anfallen.

Der Lokführer-Streik bei der Bahn soll an diesem Donnerstag im Güterverkehr beginnen. Dies dürfte auch zu Verspätungen bei Personenzügen führen, wie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) einräumte. Große Unternehmen befürchten bereits Auswirkungen auf die Produktion. Bei einer längeren Blockade könne es Engpässe bei der Rohstoffversorgung geben, hatte der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) mitgeteilt.

Unternehmen können Streiks nur kurzfristig überbrücken

BME-Verbandsgeschäftsführer Holger Hildebrandt sagte, die meisten Unternehmen könnten einen Streik von ein bis zwei Tagen überbrücken. "Danach wird sich der Versorgungsengpass auf die Produktivität auswirken." Ein Sprecher der Salzgitter AG betonte: "Für die Stahlindustrie ist das Verkehrsaufkommen, das wir mit der Bahn haben, gewaltig." Auch den Autobauer Volkswagen würde ein Arbeitskampf treffen. "Wir nehmen den Streik mehr als ernst", sagte ein Sprecher. Die Bahn will die Folgen für ihre Kunden möglichst gering halten, vor allem für wichtige Branchen wie Energieversorgung und Autoindustrie.

Die GDL hatte den Streikbeginn nach Auszählung der Urabstimmung mit 95,8 Prozent Ja-Stimmen am Montag angekündigt. Sie fordert einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer und 31 Prozent mehr Geld. Die Bahn kritisierte den Arbeitskampf scharf und lehnte es ab, einem Ultimatum für ein neues Tarifangebot bis Dienstagabend nachzukommen. DIW-Expertin Kemfert warf der Gewerkschaft "völlig überzogene Forderungen" vor. Nach Berechnungen des DIW wäre alles, was über ein Plus von sieben Prozent hinaus gehen würde, gefährlich. Auch die GDL könne kein Interesse daran haben, dass die Bahn wegen überhöhter Tarifforderungen demnächst bis zu 1500 Arbeitsplätze pro Jahr abbauen müsste.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) forderte beide Tarifparteien erneut zu Kompromissbereitschaft auf. Eine Lösung sei nur möglich, "wenn Extrempositionen verlassen werden", sagte er der "Saarbrücker Zeitung". (mit dpa)