Arbeitskampf : Streik im Bauhandwerk beginnt

Die Bauarbeiter in Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben sich in Urabstimmungen für einen Streik ausgesprochen. Ab Montagmorgen soll die Arbeit auf den Baustellen des Baugewerbes im Norden ruhen.

HannoverDie Arbeiter im Bauhandwerk in Niedersachsen und Schleswig-Holstein wollen streiken. In Urabstimmungen in beiden Ländern votierten nach Angaben der IG Bau insgesamt 87,9 Prozent für den Arbeitskampf. Das Ergebnis gab die Gewerkschaft in Hannover bekannt. Die Beschäftigten seien "sehr wütend", sagte IG Bau-Vize Dietmar Schäfers vor Journalisten. Knapp 63 Prozent der Mitglieder hätten sich an den Abstimmungen beteiligt. Das Ergebnis sei für den Bundesvorstand ein klares Signal, am Sonntagabend den Streik abzusegnen. "Seien Sie gewiss, dass es am Montag losgeht", sagte Schäfers.

Die Baugewerbeverbände der Länder, die das mittelständische Bauhandwerk vertreten, hatten sich anders als die Bauindustrie geweigert, den bundesweit Mitte Mai erreichten Schlichterspruch zu akzeptieren und die Tarifeinigung damit gekippt. Sie kritisierten die Höhe des Abschlusses und wollen auch die von ihnen selbst erstrittene Öffnungsklausel für angeschlagene Betriebe noch mal ändern. Der Tarifkompromiss sah eine Einkommenserhöhung von zunächst 3,1 Prozent ab Juni, einen befristeten Zuschlags von 0,4 Prozent und weitere Anhebungen ab 2008 vor.

Die Konjunktur am Bau im Norden verkrafte diese Tariferhöhung nicht, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbandes Schleswig-Holstein, Georg Schareck. Nach zwölf Jahren Rezession, in denen das Baugewerbe über 50 Prozent Umsatz, Aufträge und Mitarbeiter verloren habe, sei die Lage in seinem Land weiterhin schwierig. Schareck sagte, er sei gegenüber der Gewerkschaft gesprächsbereit, will aber zunächst abwarten, was auf seine Mitgliedsbetriebe zukomme. Nur jeder 20. Mitarbeiter im schleswig-holsteinischen Bauhauptgewerbe sei gewerkschaftlich organisiert. Schareck fordert gleiche Wettbewerbsbedingungen für Betriebe in Ost und West. Zudem müssten regionale Problem auch regional gelöst werden. "Wir werden unsere Interessen auch im Streik durchsetzen."

Gewerkschaft will keine Sonderbehandlungen für einzelne Länder

Dagegen will die Gewerkschaft für den Erhalt des Flächentarifvertrages kämpfen. Es dürfe keine Sonderbehandlungen für einzelne Länder geben. "Wir können nicht zulassen, dass in diesen beiden Bundesländern ein weißer Fleck entsteht und ein tarifloser Zustand", sagte Schäfers. Bundesweit seien im ersten Quartal 2007 40.000 neue Jobs am Bau entstanden, in Niedersachsen 2300 und in Schleswig-Holstein 400. Die seien dann in Gefahr.

Neue Kompromiss-Gespräche mit den Arbeitgebern lehnte die IG Bau ab. "Wir werden den Streik so lange fortführen, bis die Verbände das Schlichtungsergebnis akzeptieren", sagte Schäfers. Die Streikkasse sei gut gefüllt. Nach seinen Worten arbeiten im Streikgebiet insgesamt rund 42.000 Beschäftigte am Bau, davon etwa 8000 Alleinunternehmer. Von den Arbeitnehmern im Bauhandwerk seien 9800 IG Bau-Mitglieder. (mit dpa)