Arbeitsmarkt : EU-Kommission will "Bluecard" für Fachkräfte

Zehntausende hochqualifizierte Fachkräfte aus Dritt-Staaten sollen künftig mit einer "Bluecard" in die Europäische Union gelockt werden. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso verteidigt die Pläne gegen Kritik aus Deutschland und Österreich: "Europa ist ein Immigrationskontinent".

Straßburg  Einen entsprechenden Vorschlag zur Regelung von Zuwanderung machte die EU-Kommission heute in Straßburg. Die Pläne sollen helfen, die Lücken auf dem EU-Arbeitsmarkt zu schließen, aber auch illegale Einwanderung unter Kontrolle zu bekommen. Justizkommissar Franco Frattini sagte, Europa müsse attraktiv für Hochqualifizierte sein. Die Mehrheit gutausgebildeter Arbeitskräfte wandere zumeist in die USA aus. Dort gebe es nicht solche bürokratischen Hürden wie in der EU. Die Bluecard - in Anlehnung an die Greencard in den USA - soll zunächst für zwei Jahre gelten.

EU-Kommissionspräsident Barrosso begrüßt die erleichterte Zuwanderung von ausländischen Fachkräften nach Europa. Die EU müsse aber noch deutlich besser werden, was die Anwerbung angehe. Europa sei derzeit deutlich unattraktiver für Fachkräfte als die USA, Kanada und Australien. In Deutschland fehlten im vergangenen Jahr nach Schätzungen 165.000 Spezialisten. Die Bundesregierung lehnt die Pläne dennoch ab.

Bluecard "kein Blankoscheck"

Mit einer "Blue Card" nach US-Vorbild könnten zehntausende Ingenieure, Informatiker und Techniker aus Ländern wie Indien oder China nach Europa geholt werden. Dem Vorschlag zufolge sollen Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten für mindestens zwei Jahre in Europa arbeiten können. Nach den ersten zwei Jahren soll die Fachkraft in ein anderes EU-Land wechseln können. Auch der Familienzuzug soll beschleunigt werden.

Der Vorschlag für eine "Blue Card" öffne aber nicht die Tür für Millionen unerwünschter Einwanderer, sagte Barroso. "Das ist kein Blankoscheck." Der für Einwanderung zuständige Kommissar Franco Frattini unterstrich, jedes EU-Land könne selbst festlegen, wie viele Fachkräfte benötigt würden. (mit AFP/dpa)