Arbeitsmarkt : Vorteile für "Zivis"

Im Zivildienst herrscht nach Einschätzung des Bundesbeauftragten Jens Kreuter "Aufbruchstimmung", weil die große Koalition den Wehrdienst und damit den Ersatzdienst ausdrücklich fortsetzen will. Zivilleistende bringen zudem für den Arbeitsmarkt wichtige Schlüsselqualifikationen mit.

Die Zahl der Neuanträge für Zivildienstplätze sei in diesem Jahr um 50 Prozent gestiegen, sagte Kreuter. Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung habe um 20 Prozent zugenommen. Das habe vor allem damit zu tun, "dass der Verteidigungsminister wieder mehr mustern lässt".

Insgesamt traten in diesem Jahr 84.000 junge Männer ihren Zivildienst an. "Es hat sich unter Arbeitgebern herumgesprochen, dass diese jungen Männer mit viele Schlüsselqualifikationen aus dem Zivildienst herauskommen", sagte Kreuter. "Ich nenne mal Belastbarkeit, Sozialkompetenz, Umgang mit schwierigen Situationen."

Arbeitslose können keine Zivildienststellen ersetzen

Die Präsidentin des Bundesamtes für den Zivildienst, Helga Roesgen, bestritt, dass Zivildienstleistende Stellen besetzen, die andernfalls von Arbeitslosen ausgefüllt werden könnten. "Dem ist nicht so. Die Verbände könnten das gar nicht bezahlen." Ohne die "Zivis" würden die Stellen eingespart. "Dann gäbe es eben kein Händchenhalten am Krankenbett, und das Essen auf Rädern würde deutlich teurer." Kreuter, der sein Amt vor einem Jahr angetreten hatte, sagte, viele Einrichtungen und Zivildienstleistende wünschten sich eine gesetzliche Regelung für eine freiwillige Verlängerung des Dienstes um drei Monate. Darüber werde nun diskutiert.

Die Zahl der angebotenen Plätze ist mittlerweile fast doppelt so hoch wie die Zahl der Zivildienstleistenden. Fast alle suchen sich ihren Platz selbst, das wichtigste Auswahlkriterium ist Heimatnähe. Über 60 Prozent der "Zivis" sind in der Pflege oder in der Betreuung tätig. (mit dpa)