Archäotechnica in Brandenburg : Rom färbt ab

Die Archäotechnica stellt am kommenden Wochenende die Welt der Römer und Germanen in der Region vor.

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Hart auf hart. Gladiatorenkämpfe gab es in Brandenburg zwar nicht, aber viele Germanen verdingten sich als Kämpfer im Römischen Reich. Auf der Archäotechnica demonstrieren verschiedene Gruppen alte Kampftechniken.
Hart auf hart. Gladiatorenkämpfe gab es in Brandenburg zwar nicht, aber viele Germanen verdingten sich als Kämpfer im Römischen...Foto: Manuela Arz

Die Römer haben es nie bis ins heutige Brandenburg geschafft, wo einst die Germanen lebten. Dennoch finden sich im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg im Paulikloster bedeutende Funde römischer Herkunft. Nach den Kriegszügen Cäsars gegen die Germanen war es zu einer Stabilisierung der Situation im 1. Jahrhundert nach Christus gekommen. Zwar versuchten die Römer, ihren Einfluss auf die rechtsrheinischen Gebiete auszudehnen, aber sie scheiterten. Dennoch gab es vielfältige Kontakte zwischen den germanischen Stämmen und den mächtigen Römern auf der linken Rheinseite.

Davon zeugen nicht zuletzt die Objekte aus dem „Fürstengrab“ in Kemnitz im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Ein goldener Fingerring und ein Kettenhemd wurden gefunden, ferner ein bronzener Gürtel, Glasperlen und getriebene Bleche aus Bronze mit Darstellungen der Herakles-Sage. Bei dem Toten, der zwischen 150 und 200 nach Christus bestattet wurde, muss es sich um einen hochrangigen germanischen Krieger gehandelt haben.

Es war durchaus üblich, dass die Römer im Rahmen ihrer Außenpolitik durch diplomatische Geschenke gute Kontakte zu den Bewohnern jenseits ihrer Grenzen pflegten. Je höherwertiger das Geschenk, desto bedeutender der Beschenkte. So ließen sich wertvolle Kontakte zur germanischen Elite herstellen. Es ist aber auch möglich, dass derartige Funde von den Personen nach ihrer Dienstzeit im Römischen Reich mit nach Hause gebracht wurden. Ebenso gab es vielfältige Handelsbeziehungen bis zum Ende des Römischen Reiches mit den germanischen Stämmen. Auch auf diesem Wege sind viele Objekte aus dem römischen Kulturkreis nach Germanien gekommen.

In Kemnitz haben Archäologen beeindruckende Funde gemacht

Bei aller Gegnerschaft: Rom war damals in und schick, und so schwappte allmählich die römische Lebensart über die Grenze und beeinflusste zunehmend das Leben in Germanien. Dazu gehörte auch, wie Juliane Lippok vom Archäologischen Landesmuseum Brandenburg erklärt, dass römische Objekte von einheimischen Handwerkern nachgeahmt wurden. Die Kopie war allemal billiger als das Original – und ein Indiz dafür, dass es begehrt war und geschätzt wurde. Besonders beliebt waren offensichtlich Kopien römischer Metallgefäße, wie sie in Kemnitz gefunden wurden.

Der Eimer von Kemnitz (100 n. Chr.) gehört zu den herausragenden römischen Funden in der Region.
Der Eimer von Kemnitz (100 n. Chr.) gehört zu den herausragenden römischen Funden in der Region.Foto: Detlef Sommer

Dort hatten die Archäologen ein großes Gräberfeld mit 849 Urnengräbern, 23 Knochenlagern und einem Brandgrubengrab entdeckt. In diesen Gräbern fand sich manches römische Objekt, wie etwa der wertvolle und gut erhaltene Bronzeeimer, dessen Halterung am Gefäß mit geflügelten Gesichtern geschmückt ist, während die Henkelenden stilisierte Drachenköpfe zieren, aber eben auch Kopien.

All dies ist Grund genug, die diesjährige Archäotechnica dem Thema „Römer und Germanen“ zu widmen. Ziel der Veranstaltung ist es, verschiedene Aspekte des germanischen und römischen Lebens jener Zeit auferstehen zu lassen. Rund 16 Gruppen und Vereine präsentieren die Kampfkunst und die Kriegsgeräte. So wird der Nachbau eines römischen Pfeilkatapults gezeigt sowie ein Contubernium (lateinisch: Zeltgemeinschaft).

Authentische Einblicke in die antike Lebenswelt

In so einem Zelt aus dem späten 4. und frühen 5. Jahrhundert haben römische Soldaten zusammengelebt. Die Ausrüstung dieses Zeltes wurde in enger Anlehnung an archäologische Funde rekonstruiert.

Eine Gruppe verkörpert germanische Krieger in römischen Diensten, andere demonstrieren die Töpferkunst – kulturelle Unterschiede lassen sich so leicht erkennen. Die Fertigung römischer Glaskunst mit den Methoden der Antike wird ebenfalls von einer Gruppe anschaulich vorgeführt.

„Es wird aber auch der römische Zivilisationsimport vorgestellt, wie etwa eine römische Schreibstube oder die Arbeit eines Medicus, nicht zuletzt auch Bandweberei und Spinnerei“, erklärt Juliane Lippok. Das Verhältnis von römischen und germanischen Gruppen ist dabei recht ausgewogen. „Wir achten darauf, dass die Beteiligten mit ihrer Arbeit auch wissenschaftlichen und historischen Kriterien genügen“, sagt Lippok. So bekommen die Besucher einen authentischen Eindruck von jener Zeit.

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