Architekt Peter Kulka : "Wir machen dort kein Disneyland"

Die Verträge für Stadtschloss-Landtag sind unterzeichnet. Architekt Peter Kulka warnt vor weiteren Barockkopien.

Thorsten Metzner
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Von oben herab. Finanzminister Rainer Speer (rechts) und der Architekt Peter Kulka schauten von der Aussichtsplattform der...ddp

PotsdamPotsdam - Er ist der Mann, der jetzt in Potsdam das barocke Knobelsdorffsche Stadtschloss wiederaufbaut: Trotzdem nutzte der Dresdner Architekt Peter Kulka die Vertragsunterzeichnung für das 120-Millionen-Projekt am Mittwoch, um mit einem eindringlichen Plädoyer vor weiteren Barock-Nachbauten in der früheren Preußenresidenz zu warnen und für moderne Architektur zu werben. „Mit dem Schloss, der Nikolaikirche und dem Rathaus am Alten Markt ist jetzt eine Grenze erreicht. Man muss irgendwann in der neuen Zeit ankommen“, sagte Kulka. Am Alten Markt sei die historische Rekonstruktion vertretbar und nötig. Jetzt sei aber Zeit für moderne Architektur.

Potsdam, so Kulka, sollte nicht „die Fehler Dresdens wiederholen“ und in eine „Seligkeit“ verfallen. „Dort hat man um die Frauenkirche ein Hotel nach dem anderen gebaut. Und alle stehen leer.“ Stattdessen sei kluger Städtebau nötig, etwa mit attraktiven Wohnungen für junge Familien. Auch sein Stadtschloss-Landtag, darauf legt der Architekt großen Wert, werde eben keine rückwärtsgewandte Kopie. „Wir machen dort kein Disneyland.“ Die sichtbare Klammer zwischen den Außenbarockfassaden und dem „wunderbaren, modernen Parlament drinnen“ werde das Knobelsdorffsche Treppenhaus sein – mit unrestaurierten und restaurierten Skulpturen. „Wir werden zeigen, dass es eine Zerstörung des Gebäudes gegeben hat.“ Seit Mittwoch läuft offiziell der Wiederaufbau. Finanzminister Rainer Speer und Landtagspräsident Gunter Fritsch (beide SPD) unterzeichneten das umfangreiche Vertragswerk mit der Bam Deutschland AG, die in der Region bereits tätig ist, beispielsweise am BBI-Flughafen den Terminal baut.

Der Landtag mit Schlossfassade ist ein sogenanntes Projekt in öffentlich-privater Partnerschaft (PP), bei dem das Land nicht selbst Bauherr ist. Die Tochter des holländischen Baukonzerns wird das Gebäude bis Anfang 2013 auf dem Alten Markt errichten – und dann 30 Jahre betreiben. Die Bam, die dafür vier Mitarbeiter der Landtagsverwaltung übernahm, ist dann für das Gebäude – samt Heizung, Reinigung, Haustechnik, Bewachung – komplett zuständig. Das Land zahlt für die Alles-inklusive-Lösung von 2013 bis 2043 jährlich rund zehn Millionen Euro an die Bam. „Für uns ist es das zwölfte PPP-Projekt in Deutschland. Wir wissen, wie man so etwas macht“, sagte Bam-Vorstand Fritz Berner.

Wie Minister Speer betonte, sei das Projekt „im Zeitplan“. Als Nächstes werde man bei der Stadt Potsdam die Baugenehmigung beantragen. Wichtige Vorarbeiten sind fertig. Um den Schlossgrundriss frei zu machen, mussten Straßenführung und Tramtrassen am Alten Markt komplett verlegt werden. Eine Trambrücke über die Havel wurde gerade eröffnet. Thorsten Metzner

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