Der Tagesspiegel : Arena kommt später: Baubeginn erst im nächsten Jahr Investor Anschutz zögert

Eröffnung 2006 unwahrscheinlich

Christoph Villinger

Die rechtzeitige Fertigstellung der geplanten Großarena in der Nähe des Ostbahnhofs zur Fußballweltmeisterschaft 2006 wird immer unwahrscheinlicher. Dies berichtete gestern der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses von Friedrichshain-Kreuzberg, Joachim Pempel (PDS), nach einem Treffen mit dem Vizepräsidenten der Anschutz Entertainment Group (AEG), Kevin Murphy. Bisher war das Bezirksamt von einem Baubeginn spätestens im Sommer 2003 ausgegangen, nun ist von einer Verzögerung bis zum Frühjahr 2004 die Rede.

Grund ist nach Auskunft von Baustadtrat Franz Schulz (Grüne), dass die AEG sehr vorsichtig agiere und vor einer endgültigen Entscheidung erst die Sicherheit eines genehmigungsfähigen Bebauungsplans haben wolle. „Solange wir planungsrechtlich nicht auf der sicheren Seite sind, wird es keinen ersten Spatenstich geben“, sagte Schulz. Obwohl noch kein offizieller Bauantrag gestellt ist, arbeiteten etwa ein Drittel der Mitarbeiter vom Stadtplanungsamt an dem Projekt. Wenn dann der Bauantrag eingereicht werde, könne man in zwei bis drei Monaten die Genehmigung erteilen. Alle strittigen Fragen wie die Höhe eines Hochhauses an der Warschauer Brücke, die Aufstellung einer großen Werbetafel an der East Side Gallery und die Straßenführung waren bereits im Dezember geklärt worden. Insgesamt 500 Millionen Euro will die AEG in die Großarena und das neue Quartier mit Wohnungen, Hotels, Büros und Ladenflächen investieren. In die 200 Millionen Euro teure Multifunktionshalle mit 16 500 Plätzen werden die Eishockeyspieler der Berliner Eisbären einziehen. Auch mit den Basketballern von Alba Berlin verhandelt die AEG, zudem sind Konzerte geplant. Das Unternehmen ist zweitgrößter Konzertveranstalter in den USA. Die Fußballweltmeisterschaft 2006 war als Eröffnungstermin angepeilt worden, um auf einer Videowand die Spiele übertragen zu können. Zuletzt tauchten wiederholt Zweifel auf, ob und wann die AEG die Halle bauen wolle. Insbesondere sei die Auslastung noch nicht gesichert und eine Vermarktung der Büroflächen sei zurzeit nicht einfach. Schulz bestätigte, dass dem amerikanischen Milliardär Philip Anschutz die wirtschaftliche Situation in Deutschland Sorgen bereite. Aber der Ausschussvorsitzende Pempel beruhigte: Ihm habe Murphy zugesichert, dass es „eine eindeutige Entscheidung der AEG gebe, dieses Projekt in Berlin und an diesem Platz durchzuführen“. Das sei auch bei einem Treffen von Anschutz mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (beide SPD) bekräftigt worden.

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