Armenien-Resolution : Türkei ruft Botschafter aus Washington zurück

Aus Protest gegen eine Resolution des Repräsentantenhauses hat die Türkei ihren US-Botschafter auf unbestimmte Zeit abberufen. In der Entschließung wurden Massaker an Armeniern im damaligen Osmanischen Reich zwischen 1915 und 1917 als "Völkermord" bezeichnet.

Ankara/WashingtonEs sei normal, dass der Botschafter nach einer solchen Entscheidung zu Beratungen zurückgerufen werde, sagte der türkische Außenamtssprecher Mahmut Bilman. Wann Botschafter Nabi Sensoy in die USA zurückkehren werde, sei schwer zu sagen. Ein Sprecher des Weißen Hauses betonte das Bemühen der US-Regierung um den Erhalt der starken Beziehungen zur Türkei. Das Land ist auch in Hinblick auf die Militär-Einsätze im Irak und in Afghanistan ein wichtiger Verbündeter der USA in der Nahost-Region.

Der Auswärtige Ausschuss des Repräsentantenhauses hatte trotz der Warnungen der Regierung Bush am Donnerstag eine Resolution verabschiedet, in der Massaker und Vertreibungen an Armeniern im damaligen Osmanischen Reich zwischen 1915 und 1917 als "Völkermord" bezeichnet werden. Bei der Türkei löste der Schritt höchste Verstimmung aus, Präsident Abdullah Gül bezeichnete die Resolution als "nicht hinnehmbar". Washington fürchtet, dass die Türkei aus Verärgerung über die Resolution künftig die über ihr Territorium gehenden Transporte der US-Armee für die Einsätze im Irak und in Afghanistan unterbinden könnte.

UN-Generalsekretär bezieht keine Stellung

Die Regierung von US-Präsident George W. Bush lehne den Text der US-Parlamentarier ab, betonte Johndroe am Donnerstag in Washington. Der Sprecher Bushs äußerte die Hoffnung, Botschafter Sensoy werde schon bald wieder in Washington sein. "Wir erwarten seine schnelle Rückkehr und werden weiter für den Erhalt der starken Beziehungen zwischen der Türkei und den USA arbeiten", betonte er. Nach einem Bericht der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu berät der Botschafter mit der Regierung in Ankara über das Vorgehen nach der bevorstehenden Vorlage des Textes im Repräsentantenhaus.

Bei Vertreibungen und Todesmärschen waren zwischen 1915 und 1917 nach armenischen Angaben mehr als 1,5 Millionen Armenier getötet worden, nach türkischen Angaben zwischen 250.000 und 500.000. Die Türkei lehnt die Einstufung der Verbrechen als Völkermord ab und spricht stattdessen von der "Unterdrückung" eines Volkes, das sich im Ersten Weltkrieg mit dem russischen Feind verbündet hätte. Im US-Kongress gibt es seit Jahren Bestrebungen, die Massaker an den Armeniern als Völkermord anzuerkennen. Ein Entwurf wurde 2000 fallen gelassen, nachdem der damalige Präsident Bill Clinton seinen Widerstand erklärt hatte.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte am Donnerstag die "Massentötungen" von Armeniern im Osmanischen Reich, wollte jedoch in dem Streit keine Position beziehen. Dies sei eine Angelegenheit zwischen den USA und der Türkei, betonte Ban. (mit AFP)