Arp-Museum : Schwere Vorwürfe gegen Trägerverein

Unmittelbar vor der Eröffnung des neuen Arp-Museums mit Angela Merkel und Kurt Beck sind schwere Vorwürfe gegen den am Museum beteiligten Arp-Verein erhoben worden. Wurden aus Steuermitteln Anwälte finanziert, um kritische Medienberichte zu verhindern?

Remagen/MainzNach einem SWR-Bericht bezahlte der Arp-Verein Ende der 1990er Jahre mit Steuermitteln Anwälte, um unter anderem kritische Medienberichte zu verhindern. Laut Südwestrundfunk wurde mit dem Geld auch eine Kanzlei bezahlt, in der die Generalsekretärin des Verein, Maja Stadler-Euler, arbeitet. Hofmann-Göttig sagte, ihm habe Stadler-Euler versichert, zum damaligen Zeitpunkt weder Mitglied im Arp-Verein noch dessen Generalsekretärin gewesen zu sein.Das 33 Millionen Euro teure Museum wird unterdessen an diesem Freitag in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet.

Der rheinland- pfälzische Kulturstaatssekretär Joachim Hofmann-Göttig (SPD) bestätigte heute, dass das Land dem Verein rund 150.000 Euro für Rechtsberatung erstattete. Dabei sei es nach seinem Kenntnisstand auch um Unterlassungserklärungen und Gegendarstellungen nach Berichten über die Sammlung des Arp-Vereins gegangen.

Hofmann: Das Land habe nicht alles gezahlt

Der Staatssekretär kündigte an, den Sachverhalt vollständig aufzuklären. Er habe den Arp-Verein aufgefordert, bis Montag zu erklären, ob und welche Summen an die besagte Kanzlei von Stadler-Euler sowie an die Kanzlei des Vereinsvorsitzenden, Dieter Lange, geflossen seien. Das Land selbst werde seine Akten entsprechend durchforsten. Die Ergebnisse will Hofmann-Göttig am kommenden Dienstag in Mainz präsentieren.

Ende der 1990er Jahre sah die damalige Rahmenvereinbarung vor, dass das Land zwar das neue Arp-Museum baut, der Verein aber für den Betrieb zuständig ist. Der Arp-Verein habe damals Vorlaufkosten für das Museum bis zu einer gewissen Höhe mit dem Land abrechnen können, erklärte Hofmann-Göttig. Das Land habe nicht alles gezahlt. "Man hat ein Vielfaches dessen beantragt, was wir für angemessen gehalten haben", sagte der Staatssekretär. Das Land und der Verein unterzeichneten im Jahr 2005 eine neue Rahmenvereinbarung, mit der das Land mehr Mitspracherecht erhielt. Eine gemeinsam getragene Stiftung soll nun das Museum betreiben. Das Land finanziert den Museumsbetrieb jährlich mit rund 1,78 Millionen Euro.

Kurt Beck und Angela Merkel erwartet

Zur Eröffnung des von Architekt Richard Meier entworfenen Museums wird auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) erwartet. 33 Millionen Euro kosteten der Neubau und die schon länger abgeschlossene Sanierung des unterhalb gelegenen Bahnhofs Rolandseck.

In dem Museum sollen vor allem Arbeiten des Bildhauers Hans Arp (1886-1966) gezeigt werden, der zu den Mitbegründern der spielerisch-provokativen Kunstrichtung Dadaismus gehörte. Zur Gestaltung der Ausstellungen mit Schwerpunkt Arp kann der Museumsdirektor auf Arp-Werke des Landes, des Arp-Vereins und Leihgaben zurückgreifen.

Der Arp-Verein steht seit Jahren in der Kritik: Es geht dabei um die Fragen, welchen Wert die Sammlung des Vereins überhaupt hat und ob in dem Museum auch Skulpturen gezeigt werden sollen, die nach dem Tod Arps gegossen wurden. Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass der Verein, der sich selbst als Stiftung bezeichnet, als Satzungszweck den Verkauf von Arp-Duplikaten verfolgt. Kritiker warfen dem Verein vor, einen Handel mit Reproduktionen betreiben zu wollen. Der Verein wies dies zurück und erklärte, Verkäufe in einem Umfang, der gewerblichen Charakter habe, untersage die Satzung. (mit dpa)