Artistenmuseum Klosterfelde : Zaubern würde helfen

Einzigartig in Europa: Im brandenburgischen Klosterfelde sammelt das Artistenmuseum Artefakte und Dokumente aus fast zweihundert Jahren Zirkus- und Varietégeschichte. Wegen unsicherer Zuschüsse ist das Haus jedoch in arger Bedrängnis.

Claus-Dieter Steyer
6. Internationale Artistentage
Dicke da. Clown Mischa im Internationalen Artistenmuseum in Klosterfelde. Es steht im "Guinness-Buch der Rekorde" auf Platz 6 der...Fotoi: ddp

KlosterfeldeEine solche Ausstellung gibt es wohl kein zweites Mal in Europa, sie schaffte sogar den Sprung ins Guinness-Buch der Rekorde. Dennoch herrscht im Artistenmuseum Klosterfelde, 50 Kilometer nördlich von Berlin, wegen finanzieller Schieflage sorgenvolle Stimmung. Roland Weise, der 80-jährige Gründer und leidenschaftliche Sammler von Dingen rund um die internationale Artistik, schließt ein Ende für das Haus nicht aus. „Uns fehlen im nächsten Jahr 20.000 Euro, um die Stelle einer Museumsleiterin zu bezahlen“, sagt Weise. „Leider hat uns das Brandenburger Kulturministerium eine Absage erteilt. Es stehe kein Geld zur Verfügung, hieß es.“ Nun blicke das 1997 gegründete Museum einer ungewissen Zukunft entgegen. Ohne eine gesicherte Perspektive würde sich die Leiterin, die sich jetzt noch aufopferungsvoll ums Haus kümmert, um eine andere Stelle bemühen.

Utensilien von Künstlern, 1300 Plakate von 1827 bis zur Gegenwart, 60.000 Fotos, tausende Fachbücher, Medaillen, Abzeichen, Filme und Programmhefte rund um Artistik, Magie, Varieté und Zirkus gibt es in dem Museum, überwiegend von Weise selbst in 50 Jahren zusammengetragen. Allein von den Eintrittsgeldern der etwa 17.000 Besucher pro Jahr kann das Haus nicht existieren, zumal regelmäßig Sonderausstellungen oder Artistentage organisiert werden. Deshalb half sich Weise mit öffentlichen Zuschüssen. ABM, Ein -Euro-Job, Arbeitseingliederungsmaßnahme, so lauteten seine Zauberworte. Zuletzt finanzierte er die Stelle der Museums chefin über ein sogenanntes Regionalbudget mit Mitteln des Landes und der EU. Voraussetzung war allerdings eine Festanstellung ab Januar 2009. „Falls wir keine Landesmittel erhalten, müssen wir nicht nur die Kollegin entlassen, sondern auch die 2008 erhaltenen Zuschüsse zurückzahlen“, beschreibt Weise das Problem. Zudem drohe eine Geldbuße in Höhe von 1500 Euro. „Das wäre das endgültige Aus.“

Beim Brandenburger Kulturministerium sind entgegen der ersten Mitteilung ans Museum noch nicht alle Hilfen endgültig abgelehnt worden. Es solle noch ein Gespräch geben, hieß es. Außerdem warte man noch auf die Rechnungsabschlüsse der vorangegangenen zwei Jahre.

Der aus Thüringen stammende Museumsgründer hofft jetzt auf Spenden und Sponsoren für sein Lebenswerk. Selbst über einen Verkauf der Exponate an das Land Brandenburg dachte er schon nach, um das Museum zu retten. Dazu zählen das Modell des 10 000 Besucher fassenden Winterzelts des Zirkus Sarrasani aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, der ausgestopfte Eisbär der einst weltberühmten Dompteuse Ursula Böttcher, Utensilien für den Trick mit der schwebenden Jungfrau oder die vielen Erinnerungen an den im In- und Ausland erfolgreichen VEB Staatszirkus der DDR. Immerhin, bis April gibt es in Klosterfelde eine neue Sonderausstellung: „Weltstars: Deutsche Artisten 1945–2008“, mit Broschüren, Fotos und Plakaten.

Artistenmuseum in Klosterfelde, Liebenwalder Damm 2, Mo bis Fr 9–18 Uhr, Sa/So 14–18 Uhr. Auskünfte unter Tel. 033396/272, www.artistenmuseum.com

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