Astronaut Hans Schlegel : "Weder alt, noch ein Hase"

Mit Hans Schlegel fliegt nach Thomas Reiter der zweite deutsche Astronaut zur Internationalen Raumstation ISS. Bei der "Columbus"-Mission soll der Physiker seine beiden ersten Außenbordeinsätze im All absolvieren.

Peer Meinert[dpa]
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Astronaut Hans Schlegel -Foto: Nasa/ddp

Cape Canaveral Laien stellen sich Astronauten meist etwas jünger vor, irgendwie strahlender, gestählter. Hans Schlegel ist immerhin 56, andere Männer denken da an Vorruhestand. Das Besondere ist, dass Schlegel über das Thema Alter durchaus reden kann. "Es ist 15 Jahre her, dass ich das letzte Mal im Weltall war", erzählte er ohne Scheu vor Journalisten. Er sei selbst gespannt, wie sein Körper diesmal auf die Anspannung und die Schwerelosigkeit reagiert. Schlegel fliegt gemeinsam mit sechs weiteren Astronauten an Bord des US-Shuttle "Atlantis" ins All. Auf ihn kommt es an - seine Aufgabe ist es, das europäische Weltraumlabor "Columbus" an die Internationalen Raumstation ISS anzudocken.

Natürlich wurde Schlegel auch gefragt, wie das bei einer Shuttle-Mission so mit der Angst ist. Solche Fragen nach dem eigenen Seelenzustand sind "kühlen Technikern" ansonsten ziemlich unangenehm. Schlegel, der Diplom-Physiker aus Aachen, geht damit souverän um. "Natürlich, wenn Sie auf 2000 Tonnen Sprengstoff sitzen, haben Sie auch Respekt." So viel zum Thema Raumfahrt und Angst, schließlich war Schlegel, Ehemann und Vater von sieben Kindern, 1993 mit der Raumfähre "Columbia" unterwegs - das ist der Shuttle, der 2003 beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühte. Alle sieben Astronauten kamen dabei ums Leben. Schlegel kannte jeden von ihnen.

Überall zu Hause, wo es um Raumfahrt geht

Geboren wurde Schlegel 1951 in Überlingen am Bodensee, als seine Heimatstadt betrachtet er aber Aachen. Dort hat er studiert - in Wirklichkeit ist er aber überall zu Hause, wo es um Raumfahrt geht. Er hat Astronauten-Ausbildungen in Deutschland, Russland und den USA hinter sich. Als er im Frühjahr 1993 als "Nutzlastspezialist" in der "Columbia" unterwegs war, bekam er von einem Astronauten-Kollegen eine Injektion in den Arm - man wollte das Verhalten von Flüssigkeiten in der Schwerelosigkeit studieren. 1997 war Schlegel Ersatzmann für eine deutsch-russische Mission zur Raumstation "Mir". Überhaupt denkt er international. "Ich fühle mich in erster Linie als europäischer Astronaut, aber deutscher Nationalität."

Er kann anschaulich erzählen, der Aachener. Etwa, wie das so ist, das "Lebensgefühl" da oben in fast 40 Kilometer Höhe. "Es gibt kein oben und unten, es gibt kein rechts und links, kein vorwärts und rückwärts. Im All ist alles gleich." Auch sonst scheint nicht alles so einfach zu sein in der ISS, deutet der Rheinländer an. "Zumindest auf dem Papier sind ja acht Stunden Schlaf pro Nacht vorgesehen...", meint er. Das klingt, als müssten die Astronauten nicht selten mit weniger auskommen.

Schwerstarbeit in der Schwerelosigkeit

Dass die Arbeit hart ist, daraus macht Schlegel keinen Hehl. An zwei von drei Außeneinsätzen ist er dabei, das 13 Tonnen schwere Labor muss an Ort und Stelle bugsiert, dann angeschlossen und verkabelt werden. Gut sechs Stunden dauert ein "Weltraumspaziergang", wie das die US-Weltraumbehörde Nasa noch immer nennt. In Wahrheit handelt es sich um Schwerstarbeit.

Allerdings, wenn er am 17. Dezember wieder sicher zur Erde zurück ist, kann Schlegel erst mal ausspannen. "Weihnachten feiern, ein bisschen Skifahren." Aber schon jetzt denkt er an weitere Missionen. Zwar ist er 56 Jahre alt, aber als Vorruheständler fühlt er sich noch lange nicht. Als ein Journalist ihn als "alten Hase" der Raumfahrt anredet, wird Schlegel fast ein bisschen unwirsch. "Ich bin weder alt, noch ein Hase."