Atom-Pannen : Bundesaufsicht rügt "Fehlverhalten" von Vattenfall

Das Bundesumweltministerium hat dem Vattenfall-Konzern "Fehlverhalten" nicht nur bei der Bedienung des Reaktors Krümmel vorgehalten, sondern auch bei der Aufklärung des Störvorfalls. SPD-Energieexperte Hermann Scheer ruft nach dem Staatsanwaltschaft.

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Undurchsichtig: Das Feuer auf dem Gelände des AKW Krümmel am 28. Juni 2007. -Foto: ddp

BerlinDas Bundesumweltministerium hat den Betreibern des Vattenfall-Atommeilers Krümmel "Fehlverhalten" nicht nur bei der Bedienung des Reaktors vorgehalten, sondern auch bei der Aufklärung des Störvorfalls. Die anlagentechnischen Abläufe am 28. Juni hätten bei dem "bundesaufsichtlichen Gespräch" am Montag weitgehend aufgeklärt werden können, erklärte das Ministerium. Dagegen bestehe "weiterhin Unklarheit über Ausmaß und Ursachen des Fehlverhaltens der Bedienungsmannschaft. Die bisherigen Einlassungen des Betreibers hierzu sind völlig unzureichend." Entgegen der Forderung der Bundesaufsicht hätten weder der für die Steuerung verantwortliche Schichtleiter noch der ihm unterstellte Reaktorfahrer an dem Gespräch teilgenommen.

Das zur Begründung angeführte "Schutzbedürfnis" dieser Personen und der Verweis auf die noch laufende Analyse seien angesichts der Bedeutung der Sachaufklärung "nicht akzeptabel". Das Ministerium besteht deshalb auf einem Gespräch, an dem auch Schichtleiter und Reaktorfahrer teilnehmen. "Von diesem Gespräch werden weitere Hinweise zum technischen Ablauf des Ereignisses, vor allem aber Hinweise auf mögliche Mängel in der Zuverlässigkeit - Organisation, Fachkunde, Ausbildung, Training im Simulator etc. - erwartet." Über ein mögliches Wiederanfahren des Atomkraftwerks Krümmel werde einvernehmlich zwischen der Landesaufsicht in Kiel - das ist das Sozialministerium - und dem Bundesumweltministerium entschieden.

SPD-Experte fordert staatsanwaltliche Ermittlungen

Nach den Störfällen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel hat der SPD-Energieexperte Hermann Scheer ein Eingreifen der Staatsanwaltschaft gefordert. Im RBB-Inforadio sagte Scheer, die jüngste Pannenserie habe gravierende Sicherheitsmängel aufgezeigt. Deshalb seien Ermittlungen längst überfällig: "Der Straftatbestand ist dann bereits gegeben, wenn die Gefahr fahrlässig verursacht wird oder aber wenn leichtfertig gehandelt und die Gefahr fahrlässig verursacht wird." Auch einen Entzug der Betriebserlaubnis halte er für denkbar.

Scheer kritisierte die Informationspolitik des Betreibers Vattenfall: "Hier gibt es das Motiv, möglichst nichts herauszulassen, damit der Öffentlichkeit weiter erzählt werden kann, dass die deutschen Atomkraftwerke die sichersten der Welt seien, um Sorglosigkeit zu streuen und so die Diskussion über die Gefahren der Atomkraft zu unterbinden."

Im Reaktor Krümmel östlich von Hamburg war am 28. Juni in einer Trafostation ein Brand ausgebrochen. Vattenfall verschwieg zunächst Bedienungsfehler. Kurz zuvor war der Atommeiler Brunsbüttel an der Unterelbe nach einem Kurzschluss in einer Schaltanlage automatisch heruntergefahren worden. Wie sich erst am Wochenende herausstellte, kam es beim Wiederanfahren zwei Mal ebenfalls vermutlich durch Fehlbedienungen zu ungewollten Absperrungen im Reaktorwasserreinigungssystem. Trotz vorheriger Nachfragen teilte Vattenfall das meldepflichtige Ereignis erst sechs Tage später mit. (mit dpa)