Atom-Skandal : Vattenfall-Europe-Chef tritt zurück

Die Krise bei Vattenfall - ausgelöst durch die Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel - fordert ihren weiteren Tribut: Nachdem der Atom-Chef Bruno Thomauske bereits seinen Hut bei dem Energiekonzern genommen hat, legt nun auch der Chef von Vattenfall Europe, Klaus Rauscher, sein Amt nieder.

Klaus Rauscher
Vattenfall-Europachef Klaus Rauscher -Foto: ddp

BerlinAngesichts der anhaltenden Kritik am Umgang mit den Zwischenfällen in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel muss nun auch der Chef von Vattenfall Europe Klaus Rauscher gehen. Zwei Tage nach der Entlassung des bisherigen Atomsparten-Chefs Bruno Thomauske stellte Rauscher seinen Posten zur Verfügung, wie der Konzern mitteilte. Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Vattenfall "dramatische Fehler" bei der Informationspolitik vorgeworfen. "Das darf sich so nicht wiederholen", sagte sie. Unterdessen fachte eine Mängelliste für das Akw Brunsbüttel die Atomenergie-Debatte weiter an.

Rauscher erklärte, die Vorgänge der letzten Wochen hätten dem Ansehen von Vattenfall Europe unverkennbar geschadet. Es seien Fehler gemacht worden, für die er als Vorstandsvorsitzender die Verantwortung trage. Bis auf Weiteres soll Hans-Jürgen Cramer die Funktion eines Vorstandssprechers übernehmen, wie das Unternehmen mitteilte. Josefsson erklärte: "Die kommenden Monate werden für Vattenfall in Deutschland im Zeichen eines Neuanfangs stehen."

"Kritische Situation" für Vattenfall

Für die Vattenfall Europe sei in den vergangenen Tagen und Wochen eine "kritische Situation" entstanden, erklärte der Chef des schwedischen Mutterkonzerns. "Viel Vertrauen wurde in den zurückliegenden Wochen verspielt." Das "unzulängliche Krisenmanagement" sei nach den Ereignissen in Brunsbüttel und Krümmel "besonders gravierend" gewesen, so Josefsson.

Merkel bescheinigte dem Unternehmen eine "nicht akzeptable" Informationspolitik. "Deswegen hält sich mein Mitleid auch wirklich in Grenzen, wenn die Wirtschaft kritisiert wird", sagte sie in Berlin. Gleichwohl halte sie die friedliche Nutzung der Atomenergie wegen der hohen Sicherheitsstandards in Deutschland weiter für "verantwortbar". Auch die Tätigkeit von Josefsson als Energieberater der Bundesregierung sei nicht in Frage gestellt.

Brunsbüttel erneut vom Netz genommen

Vattenfall nahm das Akw Brunsbüttel nach "Auffälligkeiten" in den Ölkreisläufen eines Transformators am Morgen vom Netz. Die Kreisläufe würden vorsorglich gespült und das Öl werde gewechselt, teilte das Unternehmen mit. Voraussichtlich könne das Kraftwerk am Abend wieder hochgefahren werden, hieß es. Dies sei auch dem für die Atomaufsicht zuständigen Sozialministerium in Kiel mitgeteilt worden, es handele sich jedoch nicht um ein meldepflichtiges Ereignis. Ende Juni war auf dem Gelände des Akw Krümmel ein Transformator in Brand geraten. Nach einem Missverständnis hatten Mitarbeiter eine Schnellabschaltung des Meilers und damit die Pannenserie eingeleitet.

Mängelliste veröffentlicht

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erklärte, Vattenfall sei selbst nicht von der Sicherheit des Akw Brunsbüttel überzeugt. Dieses werde vielmehr seit Jahren "trotz massiver interner Zweifel an seiner Sicherheit" am Netz gehalten, erklärte ein DUH-Sprecher unter Berufung auf eine Expertenanalyse. Eine bislang von Vattenfall geheim gehaltene Mängelliste von 2006 betreffe "praktisch alle Kernbereiche der Reaktorsicherheit".

Nachdem Vattenfall eine Klage gegen die Offenlegung der Mängelliste beim Verwaltungsgericht Schleswig zurückzog, veröffentlichte das Sozialministerium diese im Internet. Demnach habe der Betreiber inzwischen Sicherheitsnachweise für sämtliche 185 offenen Punkte der Kategorie zwei (kurzfristig zu behebende "Nachweisdefizite") vorgelegt. Ein Teil davon werde allerdings noch geprüft, erklärte ein Ministeriumssprecher. Die seit 2001 laufende so genannte Periodische Sicherheitsüberprüfung soll demnach bis Jahresende abgeschlossen sein. (mit AFP)