Atomabkommen : Nuklearer Handschlag für Indien

Kritiker fürchten ein atomares Wettrüsten. Die USA unterstützen den Wunsch Indiens, mit nuklearer Technologie und Brennstoffen handeln zu dürfen. Nach über 30 Jahren des Boykotts haben beide Staaten heute ihr umstrittenes Atomabkommen verabschiedet.

Neu DelhiDie USA und Indien haben den Inhalt ihres umstrittenen Atomabkommens bekannt gegeben. "Die Vereinigten Staaten unterstützen die indischen Bestrebungen, strategische Reserven nuklearen Treibstoffs anzulegen, um vor einem Versorgungsausfall während der Laufzeit der Reaktoren geschützt zu sein", heißt es in dem von den indischen Behörden veröffentlichten Text. Die Übereinkunft sieht vor, dass die USA nach mehr als 30 Jahren Boykott wieder Handel mit nuklearen Brennstoffen und Nukleartechnologie in Indien treiben dürfen - eine Regelung, der der US-Kongress bereits im Dezember zugestimmt hatte.

1974 hatten die USA ein Atomembargo verhängt, nachdem Indien zu Testzwecken eine Atombombe gezündet hatte. Das Abkommen, auf das sich US-Präsident George W. Bush und Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh bereits vor zwei Jahren im Grundsatz geeinigt hatten, berechtigt Indien zudem zur Wiederaufbereitung atomaren Treibstoffs unter der Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA. US-Abgeordnete hatten sich dagegen ausgesprochen, da die Nukleartechnik so für militärische Zwecke genutzt werden könne. Die kontroverse Frage indischer Atomtests wird in dem Text nicht behandelt. Ihren eigenen Gesetzen zufolge müssen die USA die nukleare Zusammenarbeit mit einem Land einstellen, wenn es eine Atomwaffe testet.

Indien hat Nichtverbreitungsvertrag über Atomwaffen nicht unterzeichnet

Pakistan warnte, der Vertrag zwischen den USA und Indien bedrohe die Stabilität in der Region, da er Indien den Bau weiterer Atombomben ermögliche. Die Nachbarländer führten in den vergangenen 60 Jahren drei Kriege und betrieben ein nukleares Wettrüsten. In dem Abkommen ist jedoch festgeschrieben, dass von den USA zur Verfügung gestelltes Material nicht für nukleare Sprengkörper oder militärische Zwecke verwendet werden darf.

Indien hat den internationalen Nichtverbreitungsvertrag über Atomwaffen nicht unterschrieben und gilt als inoffizielle Atommacht. Das Land verfügt über 15 Atomreaktoren und Schätzungen zufolge über 80 bis 250 Atomwaffen. Das Abkommen, das zunächst für 40 Jahre getroffen wurde, muss noch vom US-Kongress und dem indischen Parlament bestätigt werden. Indien muss zudem Sicherheitsvorkehrungen mit der IAEA aushandeln. Diese Vereinbarung muss von den 45 Staaten der Nuclear Suppliers Group (NSG) gebilligt werden. Dieser Zusammenschluss aus Lieferstaaten von Atomtechnologie, dem auch Deutschland angehört, hat sich die Nichtverbreitung von Atomwaffen zum Ziel gesetzt. Die US-Handelskammer schätzt, dass das Atomgeschäft mit Indien der US-Wirtschaft Aufträge im Volumen von bis zu 100 Milliarden Dollar einbringen könnte. Kritiker werfen der Regierung vor, mit dem Indien-Abkommen ihre eigene Politik zu schwächen, die anderen Ländern wie Nordkorea oder dem Iran die atomare Aufrüstung verwehren will. (mit AFP)