Atomenergie : Studie: Klimaziel nur mit Atomkraft zu erreichen

Die deutsche Wirtschaft vertraut zur Einhaltung des Klimaziels der Bundesregierung auf die Atomkraft. Das Ziel von minus 40 Prozent CO2-Ausstoß sei nur so zu erreichen. Ansonsten seien nur 30 Prozent weniger CO2 bezahlbar.

Atomkraftwerken
Die deutsche Wirtschaft glaubt, dass man nur mit Atomkraft ans Klimaziel kommt. -Foto: ddp

BerlinBis 2020 sei eine Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes um rund 25 Prozent zwar ohne jegliche Zusatzkosten erreichbar, sagte BDI-Präsident Jürgen Thumann heute bei der Vorstellung einer Studie in Berlin. Auch ein CO2-Abbau um rund 30 Prozent bis 2020 sei bezahlbar. Das Klimaziel der Bundesregierung von minus 40 Prozent CO2 rechne sich dagegen nur, wenn der beschlossene Atomausstieg rückgängig gemacht würde. Bundesumweltministerium und Umweltschützer lobten den Ansatz der Studie, kritisierten aber zentrale Schlussfolgerungen.
  
Die Studie zu Kosten und Potenzialen der Vermeidung von Treibhausgasen wurde im Auftrag des BDI mit der Unternehmensberatung McKinsey erstellt. Demnach wäre eine CO2-Reduzierung um 25 Prozent ohne Einbußen bei Lebensqualität oder Wirtschaftswachstum erreichbar und zwar mit bekannter und weitgehend serienreifer Technik. Minus 26 Prozent wären noch wirtschaftlich, wenn der Emissionshandel mit Kosten von 20 Euro pro Tonne CO2 berücksichtigt wird.
  
Eine Reduzierung um 31 Prozent wäre demnach ebenfalls mit heute verfügbarer Technik möglich. Dies würde aber zu Vermeidungskosten zwischen 32 und 175 Euro pro Tonne CO2 führen, wenn zugleich am Atomausstieg festgehalten werde, sagte der Deutschlandchef von McKinsey, Frank Mattern. Eine Reduzierung um 40 Prozent wäre demnach erst 2030 zu akzeptablen Konditionen erreichbar und auch das nur mit erheblichem Kostenaufwand. Solle dieses Ziel bis 2020 umgesetzt werden, "dann geht das nur unter Beibehaltung der Kernenergie", sagte Thumann. Sonst würden die Kosten so hoch, dass "Arbeitsplätze in Millionenhöhe" vernichtet würden. "Die deutsche Wirtschaft stellt sich ihrer Verantwortung für den Klimaschutz", bekannte sich Thumann aber grundsätzlich zum CO2-Abbau.

Größtes Einsparpotenzial im Gebäudebereich
  
Die größten, wirtschaftlichen Einsparpotenziale liegen der Studie zufolge im Gebäudebereich. Mattern plädierte für einen "Sieben-Liter-Standard" für Wohngebäude, also einen Energieverbrauch von nicht mehr als sieben Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr. Ebenfalls ein großes Potenzial gebe es bei der Energieeffizienz von Autos mit Benzinmotoren.
  
Das Bundesumweltministerium begrüßte "interessante Ansätze und Überlegungen" in der Studie. Diese zeige, "dass Klimaschutz nicht nur bezahlbar ist, sondern in vielen Bereichen sogar zu massiven Einsparungen führen kann", heißt es in einer in Berlin veröffentlichten Erklärung. Darin wies das Ministerium zugleich den Vorschlag zurück, Restlaufzeiten der Atomkraftwerke aus klimaschutzpolitischen Gründen zu verlängern.
  
Endlich habe die deutsche Industrie verstanden, "dass sie bei der Bekämpfung des Klimawandels die Hauptrolle spielt", erklärte Greenpeace-Energieexperte Jörg Feddern. Er kritisierte aber, dass die Studie Schäden durch den Klimawandel und Kosten notwendiger Schutzmaßnahmen nicht mit einrechne, die Experten für Deutschland auf 800 Milliarden Euro veranschlagten. Der Umweltschutzverband BUND kritisierte, technisch mögliche Minderungseffekte bei Autos würden nicht hinreichend berücksichtigt. Das 40-Prozent-Ziel sei auch ohne Atomkraftwerke umsetzbar. Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) teilte mit, bei stärkerer Nutzung regenerativer Energien lasse sich das 40-Prozent-Ziel beim CO2-Abbau zu niedrigeren Kosten erreichen. (mit AFP)