Atomgespräche : USA und Nordkorea nähern sich an

Erstmals seit fünf Jahren bereist ein hoher US-Gesandter Nordkorea. Damit soll ein Zeichen in der Beziehung zum kommunistischen Staat gesetzt werden und die Atom-Abrüstung vorangetrieben werden. China und Südkorea begrüßten den Besuch.

Nordkorea
US-Sondergesandte Christopher Hill wird von einem Stellvertreter des nordkoreanischen Außenministeriums empfangen. -Foto: AFP

Seoul/PekingUm den Atom-Abrüstungsprozess in Nordkorea voranzutreiben, ist erstmals seit fünf Jahren überraschend ein hoher Regierungsvertreter aus den USA in das stalinistische Land gereist. Der US-Sondergesandte Christopher Hill sei mit dem Flugzeug in der Hauptstadt Pjöngjang gelandet, berichtete die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Hill hatte Nordkorea am Dienstag aufgefordert, wie versprochen den Reaktor Yongbyon abzuschalten. Ob UN-Inspektoren wie geplant am kommenden Dienstag für weitere Gespräche nach Nordkorea fliegen, blieb ungewiss. Der chinesische Außenminister Yang Jiechi will Nordkorea Anfang Juli besuchen.

Vor seinem Abflug aus Südkorea nach Pjöngjang sagte Hill, er wolle den Abrüstungsprozess vorantreiben. Die verlorene Zeit müsse aufgeholt werden. Pjöngjang hatte am 13. Februar dem Ausstieg aus seinem umstrittenen Atomprogramm binnen 60 Tagen zugestimmt. Zur Bedingung dafür machte die nordkoreanische Führung aber die Freigabe ihrer auf Betreiben der USA eingefrorenen Gelder von 25 Millionen Dollar (19 Millionen Euro) auf einer Bank in Macau. Hill hatte am Dienstag gesagt, dass das Geld inzwischen überwiesen sei.

China begrüßte Nordkorea-Besuch

Nach Angaben des US-Außenministeriums wird Hill am Freitag nach Seoul zurückkehren und die dortige Regierung über die Ergebnisse seiner Reise zu informieren. Zuletzt war 2002 ein hochrangiger US-Vertreter in das kommunistische Land gereist. Hills Vorgänger James Kelly prangerte die nordkoreanische Regierung damals an, sie betreibe ein geheimes Nuklearprogramm, um Uran für den Bau von Atombomben anzureichern.

China begrüßte den Überraschungsbesuch Hills in Nordkorea. Dadurch könne der Abrüstungsprozess weiter fortgesetzt, die Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA könnten verbessert werden, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. China ist der engste Verbündete Nordkoreas.

400.000 Tonnen Reis von Südkorea nach Nordkorea

Ob jedoch Kontrolleure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) erstmals seit Ende 2002 wie geplant am Dienstag nach Nordkorea reisen, bleibt abzuwarten. "Das Besuchsdatum der Delegation ist nicht bestätigt, da noch nicht alle eingefrorenen Gelder freigegeben worden sind", sagte ein Sprecher der nordkoreanischen Vertretung in Wien mit Blick auf die Bank in Macau, wo die IAEA ihren Sitz hat. Ein IAEA-Nachfolgeteam sollte in wenigen Wochen folgen, um die Schließung der Atomanlage in Yongbyon  zu überprüfen.

Laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap sollen noch in diesem Monat informelle Abstimmungen im Rahmen der so genannten Sechs-Nationen-Gespräche von USA, China, Japan, Russland und den beiden koreanischen Staaten stattfinden, bei denen der Ausstieg im Februar ausgehandelt worden war. Der südkoreanische Unterhändler Chun Yung Woo sagte, die Verhandlungen sollten vor dem 10. Juli wieder aufgenommen werden.

Südkorea kündigte an, nach der Abschaltung des Reaktors Reis nach Nordkorea zu schicken. Nach Zeitungsberichten soll eine erste Ladung mit 400.000 Tonnen spätestens Anfang Juli auf den Weg gebracht werden. Die südkoreanische Regierung zog außerdem die Aussage vom Dienstag zurück, wonach Nordkorea einen neuerlichen Raketentest ausgeführt habe. "Nach der Analyse verschiedener Informationen sind wir zu der Auffassung gekommen, dass keine Raketen aus dem Norden abgefeuert wurden", sagte ein Regierungssprecher. (mit AFP)