Atomkraftwerk : Polnischer Politiker: Keine Gefahr für Brandenburg

Polen plant seit Februar Atomkraftwerke. Unter anderem sind Standorte an der Oder im Gespräch. Ein polnischer Politiker der Wojewodschaft Westpommern hat in einem Interview versucht, die Kritiker aus Brandenburg milde zu stimmen.

StettinDie polnische Grenz-Wojewodschaft Westpommern hält an ihren Bemühungen zur Ansiedlung eines Kernkraftwerks (KKW) fest. "Ich finde, dass ein Atomkraftwerk keine Gefahr für die Interessen Brandenburgs darstellt", sagte Wojciech Drozdz vom Wojewodschaftsvorstand in Szczecin (Stettin). Die polnische Regierung plant, bis 2020 zwei Kernkraftwerke zu bauen. Bisher seien noch keine Entscheidungen über Standorte gefallen.

Drozdz betont Einhaltung europäischen Rechts

"Für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region ist es wichtig, dass eines dieser Kraftwerke hier entsteht", sagte Drozdz. Der Vorstand der Wojewodschaft habe nach einer Beratung mit Kommunen und Landkreisen mehrere mögliche Standorte aufgezeigt. Darunter sei auch die an der Oder gelegene Stadt Gryfino, die in Nachbarschaft zum deutschen Nationalpark Unteres Odertal liegt. Mehrere Gemeinden hätten sich zudem gemeldet und Grundstücke für den Bau angeboten. Auch Nachbar-Wojewodschaften würden sich um Ansiedlungen bemühen.

"Sobald eine Entscheidung getroffen ist, werden wir selbstverständlich gemäß dem europäischen Recht auch an Brandenburg herantreten", versicherte Drozdz. Dabei gehe es unter anderem um die Umweltverträglichkeit. Er führte an, dass die Wojewodschaft eine "moderne Anlage mit moderner Technologie" ähnlich den französischen Kernkraftwerken favorisiere. "Wir werden auch weiterhin gutnachbarschaftliche Beziehungen pflegen", sagte er.

Brandenburg werde gegenüber der polnischen Regierung Einwände darlegen

Seitdem die polnischen Pläne Ende Februar bekanntwurden, hatte es Kritik aus Brandenburg gegeben. Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) hatte geäußert, dass das Bundesland kein Interesse an einem KKW in Grenznähe habe. Sollten solche Vorhaben umgesetzt werden, würde Brandenburg "in der gebotenen Form" seine Einwände gegenüber der polnischen Regierung darlegen.

Dem fünfköpfigen Vorstand der Wojewodschaft Westpommern gehören der Marschall (Regierungschef), seine beiden Stellvertreter und zwei weitere Mitglieder, darunter Drozdz, an. (jz/ddp)

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