Atomkraftwerke : Alte Meiler sollen vom Netz

Bundesumweltminister Gabriel will die alten Atomkraftwerke früher abschalten. Die von den Energiekonzernen geforderte Laufzeitverlängerung sei genau das Gegenteil "von dem, was wir tun müssen."

Gabriel
Bundesumweltminister Gabriel will den Druck auf die Energiekonzerne erhöhen. -Foto: ddp

KielNach der Pannenserie in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel will Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) ältere Meiler früher abschalten und moderne Reaktoren länger laufen lassen als geplant. "Wir müssen von diesen Gefährdungsreaktoren weg, diesen Altmeilern, weil wir jedes Mal wieder sehen, dass dort Schwierigkeiten auftauchen", sagte Gabriel im Deutschlandfunk. Über die Bedingungen dafür wolle er mit den AKW-Betreibern nach der Sommerpause verhandeln. Unterdessen sind laut Kieler Atomaufsicht die Umstände der Schnellabschaltung des AKW Krümmel Ende Juni auch nach der Befragung der beteiligten Mitarbeiter noch nicht vollständig aufgeklärt.

Bislang sei unbeantwortet geblieben, wie viele Mitarbeiter sich nach dem Trafo-Brand am 28. Juni auf der Leitwarte des AKW aufgehalten und was sie dort gemacht hätten, sagte der Sprecher des für die Reaktorsicherheit in Schleswig-Holstein zuständigen Sozialministeriums, Oliver Breuer. Das Gespräch mit dem Schichtleiter und dem Reaktorfahrer am Montag habe zwar ein klareres Bild der Abläufe vermittelt, zugleich aber auch neue Fragen aufgeworfen. Nähere Angaben zu den Inhalten der Befragung machte Breuer nicht. Möglicherweise werde sich Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) am Donnerstag im Sozialausschuss des Landtags dazu äußern, sagte er.

Kommunikation in Krümmel muss verbessert werden

Der Kieler Staatssekretär Hellmut Körner erklärte, in einer ersten Bewertung sei sich die Landesatomaufsicht mit dem Bundesumweltministerium (BMU) einig, "dass in Krümmel die Nutzung modernerer Kommunikationsprinzipien nötig ist, wie sie etwa in der Luftfahrt gelten". Demnach sollten Anweisungen der Vorgesetzten von Mitarbeitern stets wörtlich wiederholt und vom Vorgesetzten erneut bestätigt werden, um Missverständnisse wie bei der irrtümlichen Schnellabschaltung des Meilers künftig zu vermeiden.

Bei den AKW-Betreibern sei auf die Sicherheitskultur bislang offensichtlich "nicht allzuviel Wert gelegt" worden, kritisierte Gabriel. "Wenn wir nicht Nachweise bekommen, dass sich dies in Zukunft ändert, werden wir schlicht und ergreifend die Meiler nicht mehr ans Netz gehen lassen." Mögliche Abstimmungsprobleme und Mängel bei der Kommunikationskultur müssten nicht nur beim Krümmel-Betreiber Vattenfall, sondern auch bei allen anderen überprüft werden.

Ältere Reaktoren bergen höhere Risiken

Die Pannenserie habe ein weiteres Mal bewiesen, dass ältere Reaktoren höhere Risiken beinhalteten, sagte Gabriel weiter. Das Ziel der Atomwirtschaft, "ausgerechnet ältere Reaktoren länger laufen zu lassen", sei daher genau das Gegenteil "von dem, was wir tun müssen". Das Interesse der Unternehmen, die mit dem Weiterbetrieb bereits abgeschriebener Reaktoren "sehr, sehr viel Geld" verdienen könnten, sei zwar verständlich, sagte Gabriel, doch "die Politik kann bei der Sicherheit keine Abstriche machen".

Der Parlamentarische Staatssekretär im BMU, Michael Müller (SPD), bezeichnete die Versuche der Betreiber, Restlaufzeiten von neuen auf alte AKW zu übertragen als sehr durchsichtig; sie widersprächen der Logik des Atomausstiegs. Er forderte die Unternehmen auf, diesen ohne Wenn und Aber mitzutragen. "Es muss jetzt Schluss sein mit der Trickserei", sagte Müller gegenüber N-tv.de. Auch dürfe Atomkraft nicht als klimaschonend bezeichnet werden, sagte Müller weiter: Erstens sei Atomenergie nicht CO2-frei, zweitens gehe ihr Wirkungsgrad nicht über 30 Prozent hinaus, so dass sie "ein im Grundsatz verschwenderisches Energiesystem" verfestige. (mit AFP)