Atommeiler : Proteste gegen neuen Trafo für Akw Krümmel

Mit Demonstrationen haben Umweltorganisationen die Anlieferung eines neuen Transformators für das Atomkraftwerk Krümmel begleitet und eine endgültige Abschaltung des Meilers gefordert. Das von Vattenfall eingerichtete Bürgertelefon wird indes hauptsächlich wegen Verständnisfragen in Anspruch genommen.

Akw Krümmel
Proteste gegen den neuen Transformator für das Akw Krümmel. -Foto: dpa

Geesthacht/HamburgUnter Protesten hat der für das Atomkraftwerk Krümmel bestimmte Transformator Geesthacht erreicht. Zwischenzeitlich hatten fünf Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood den Transport blockiert, wie eine Polizeisprecherin sagte. Sie hatten sich von einer Elbbrücke abgeseilt, die Aktion aber freiwillig beendet.

Kurz vor neun Uhr habe der Ponton die Anlegestelle am Akw-Standort in Geesthacht erreicht, sagte die Sprecherin. Währenddessen protestierten Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace auf mehreren Schlauchbooten gegen die geplante Wiederinbetriebnahme des Atommeilers. Einsatzkräfte der Polizei enterten die Boote, um dem Transport das Anlegen zu ermöglichen.
Die restlichen 3,5 Kilometer von der Anlegestelle bis zum Akw im Ortsteil Krümmel wird der Transport auf der Straße zurücklegen. Die Polizei rechnete damit, dass dies etwa anderthalb Stunden dauern werde. Demnach könnte der Trafo am frühen Nachmittag den Atommeiler erreichen.

Inbetriebnahme erst im September

Greenpeace wollte auch auf der Hauptversammlung des Kraftwerkbetreibers Vattenfall Europe in Berlin gegen die Kernenergie protestieren. Nach Angaben des Energiekonzerns kann der neue Trafo erst im September in Betrieb genommen werden. Zuvor muss das Trafo-Gebäude umgebaut werden. Bis Ende August soll die Revision des Atomkraftwerks beendet sein.

Der Reaktor Krümmel war am 28. Juni ebenso wie das Akw Brunsbüttel per Schnellabschaltung heruntergefahren worden. Im Akw Krümmel hatte nach einem Kurzschluss ein Transformator gebrannt. Wegen fehlerhafter Halterungen für Rohrleitungen des Not- und Nachkühlsystems steht derzeit auch der Atommeiler in Brunsbüttel still.

Bürger haben viele Fragen zur Pannenserie

Bei der Aufarbeitung der Pannenserie in den beiden Atomkraftwerken sind bei den Bürgern offenbar viele Fragen offen geblieben. Das von Vattenfall am Mittwoch eingerichtete kostenlose Akw-Bürgertelefon habe bereits am ersten Tag mehr als 60 Anrufe verzeichnet, sagte eine Mitarbeiterin. Das Informationsangebot werde "gut angenommen". Unter den Anrufen seien vereinzelt auch Beschwerden, vor allem würden aber viele Verständnisfragen gestellt, oder Bürger erkundigten sich danach, was das Unternehmen zum Beheben der Akw-Mängel unternehme. Das Akw-Bürgertelefon ist werktags unter der Nummer 0800/4396624 erreichbar. (mit ddp/AFP)