Atomstreit : Nordkorea beginnt mit Abbau von Nuklearanlagen

Nach dem Durchbruch bei den Gesprächen über sein Atomwaffenprogramm hat Nordkorea zusammen mit US-Experten damit begonnen, die Anlagen im Nuklearkomplex Yongbyon unbrauchbar zu machen.

Seoul/WashingtonDie amerikanischen Fachleute seien vor Ort, und die Arbeit zur Stilllegung der Anlagen dauere an, sagte US-Außenamtssprecher Tom Casey in Washington, ohne Details zu nennen. Es sei ein "erster positiver Schritt in diesem Prozess" unternommen worden. Das Expertenteam sei seit dem Wochenende in Yongbyon und werde bleiben, bis die drei wichtigsten Einrichtungen dort - ein Atomreaktor, eine Wiederaufarbeitungsanlage und eine Brennstofffabrik - untauglich gemacht seien. "Wir erwarten, dass der Prozess bis Jahresende abgeschlossen sein wird."

Auch der US-Gesandte Sung Kim vom Außenministerium, der zuvor das Technikerteam nach Yongbyon begleitet hatte, äußerte sich nach seiner Ankunft in Seoul hoch zufrieden. "Ich denke, wir haben einen guten Start." Die Nordkoreaner seien dabei "sehr kooperativ". Kim wollte die südkoreanische Regierung von den Arbeiten in dem nördlich der Hauptstadt Pjöngjang gelegenen Nuklearkomplex unterrichten, der im Mittelpunkt des nordkoreanischen Atomprogramms steht. An diesem Mittwoch wollen in Washington die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice und ihr südkoreanischer Kollege Song Min Soon über die nächsten Schritte im Abrüstungsprozess Nordkoreas beraten.

Kompletter Abbau geplant

Nordkorea hatte Anfang Oktober im Rahmen der Sechs-Länder-Gespräche zur Beilegung des Atomstreits zugesichert, bis spätestens Ende 2007 die kerntechnischen Anlagen untauglich zu machen. Die Einrichtungen sollen später komplett abgebaut werden. Auch will Pjöngjang bis Ende dieses Jahres sein gesamtes Nuklearprogramm enthüllen. Im Gegenzug winken dem verarmten Staat umfangreiche Wirtschaftshilfen und Energielieferungen im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar sowie eine Verbesserung seiner auswärtigen Beziehungen vor allem zu den USA und Japan.

Aus dem einzigen in Nordkorea betriebenen Reaktor in Yongbyon, der im Juli heruntergefahren wurde, kam der Stoff, den das kommunistische Regime für seinen ersten Atomwaffentest im Oktober 2006 benötigte. An den Sechser-Gesprächen sind neben den beiden koreanischen Staaten die USA, China, Japan und Russland beteiligt. (mit dpa)