Der Tagesspiegel : Auch den Erdbeeren ist es deutlich zu nass

Ernte dürfte um 50 Prozent geringer ausfallen als im Vorjahr. Das Getreide steht dagegen sehr gut auf den Feldern

Claus-Dieter Steyer

Vehlefanz - Brandenburgs Bauern blicken mit gemischten Gefühlen in den grauen Himmel. Während Getreide, Mais und Grünfutter gut wachsen, sieht es bei den Obstbauern eher betrüblich aus. Sie befürchten wegen der Nässe und der Kühle Ernteausfälle im Landesdurchschnitt von bis zu 50 Prozent gegenüber den Vorjahren. Helfen könnte jetzt nur noch eine längere Periode mit Sonne und bedeutend höheren Temperaturen. Doch die ist nach Auskunft von Meteorologen nicht in Sicht. Ab Mitte nächster Woche könnte es zumindest etwas wärmer werden.

„Jetzt ist es mit dem Regen langsam genug“, sagt Gerhard Neumann, der im Potsdamer Ortsteil Bornim viele Hektar mit Erdbeeren und Kirschen bewirtschaftet. Er hat seine Felder für Selbstpflücker geöffnet, die in diesem Frühjahr allerdings länger als gewöhnlich brauchen, um ihre Körbe zu füllen. Viele Früchte sind angefault oder durch die Nässe total verdorben. „Aber dafür sind die Erdbeeren in dieser Saison besonders aromatisch“, versucht Neumann, noch etwas Gutes im schlechten Wetter zu sehen. „Wir haben schließlich auch einige sonnige Abschnitte.“ Dann nämlich wachsen die Erdbeeren dank der vorher aufgesaugten Nässe wunderbar und vor allem schnell. Die Qualität der Ernte sei jedenfalls sehr gut, wenn sie auch mit der Menge des Vorjahres nicht konkurrieren könne.

Vor allem in den nördlich Berlins gelegenen Anbaugebieten bei Vehlefanz sind die Verluste beträchtlich. „Schon die Nachtfröste während der Blüte im April haben 20 bis 40 Prozent der Pflanzen geschädigt, so dass wir wegen der nassen Tage jetzt wohl einen Ernte-Ausfall von 50 Prozent beklagen müssen“, erklärt Jürgen Ebel, Präsident des Landesverbandes Gartenbau. Ohnehin hatte die Erntesaison in diesem Jahr mit einer Woche Verspätung begonnen.

Über die Aussichten bei Kirschen, Äpfeln, Pflaumen und Birnen kann nach Angaben der Fachleute noch nicht viel gesagt werden. „Einige frühe Sorten sind beträchtlich verfault“, sagt Gerhard Neumann aus Bornim. Wenig erfreulich verlief die Saison auch bei den Spargelbauern. Zwar schätzt der Chef des Beelitzer Spargelvereins, Manfred Schmidt, die Erträge als „durchschnittlich“ ein. Aber die Nachfrage in den Höfen rund um Beelitz habe deutlich abgenommen. „Wir spüren den Kaufkraft-Rückgang“, so Schmidt. Die Spargelsaison dauert bis 24. Juni.

Keinen Grund zur Sorge haben die Getreidebauern. „Jetzt entscheidet sich bei den Pflanzen die Größe der Körner“, sagt Hans-Rüdiger Schubert vom Agrarministerium. „Die hängt entscheidend von den Nährstoffen ab, die das Getreide über das Wasser aufnimmt.“ Bisher erwarteten die Bauern eine „gute Ernte“, die nach den Dürreschäden des Vorjahres auch dringend notwendig sei, erklärt Schubert. Allerdings wünschten sich auch diese Bauern vor allem eins – mehr Wärme.

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