Audi A 8 : Betreutes Fahren

Größe und Kraft allein zählen heute nicht mehr in der Luxusklasse. Seit einer Wohe gibt es einen weiteren Beleg dafür – den A 8. Audi setzt bei seinem neuen Oberklassemodell auf höchsten Komfort, vernetzte Fahrerassistenzsysteme und effiziente Triebwerke.

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Audi
Alle Audis der Neuzeit würde man auch ohne Ringe erkennen: Der mächtige Grill ist das Markenzeichen der Ingolstädter. -Foto: promo

Schon der Automatik-Gangschalter hat was. Sieht aus wie der Schubhebel im Airbus. Aber der Sogwirkung dieser kleinen schwarzen Fläche daneben kann man sich noch weniger entziehen. Dabei arbeitet man ja schon seit Jahren mit dem Touchpad des Laptops. Aber in einem Auto? Klar doch; auf diese geniale Idee ist vor Audi nur noch keiner gekommen. Der Fahrer „schreibt“ einfach den Anfangsbuchstaben der gewünschten Stadt oder Straße per Finger. Das geht nahezu blind, lenkt weniger ab, funktioniert sogar bei Krakelschrift. Und die Elektronik erkennt sogar kyrillisch und chinesisch – das schreibt man auf den Absatzmärkten der Zukunft.

Doch dieses neue MMI-Navi kann noch viel mehr. Dank Google earth und Streckendaten „weiß“ der A8 (fast) immer, wann die nächste Kurve oder eine Steigung kommt und passt Getriebesteuerung sowie Fahrbahnausleuchtung (adaptive light) positionsgenau der Straßenführung an. Das funktioniert tatsächlich; wir haben es ausprobiert. Nur beim erstmals in einem Großserienauto eingesetzten LED-Licht (1800 Euro) ist diese Leuchtautomatik noch nicht integriert; die Ingenieure arbeiten aber an einer Lösung.

Sogar der Abstandsregeltempomat ACC mit Stop&Go-Funktion ist – falls für 2000 Euro an Bord – mit dem Navi vernetzt. Er nutzt dessen Datenbasis, zudem Kameraaugen des Spurhalteassistenten und Radarsensoren. Alles in allem werden in Sekundenbruchteilen zwischen 27 verschiedenen Steuergeräten über 1600 Signale ausgetauscht. Damit ermöglicht der A8 so etwas wie ein „betreutes Fahren“. Ist zum Beispiel auf der Autobahn die Nebenspur frei und man fährt rüber, gibt ACC nach dem Spurwechsel Gas, der Fahrer muss nur noch lenken. Droht man auf ein urplötzlich haltendes Auto aufzufahren, bremst ACC automatisch bis zum Stillstand und fährt wieder an, so bald die Straße frei ist. Gespenstig, aber richtig gut, wenn man sich daran gewöhnt hat.

Glaubt man dem Chefentwickler, ist der neue A8 ein Auto für alle Sinne: sehen, fühlen, hören, genießen. Für uns ist er auch ein Ort der Ruhe und Entspannung. Nicht zuletzt wegen der im Testwagen montierten – 4150 Euro (!) teuren – 22fach verstellbaren, belüfteten Komfortsitze mit eingebauten Wellnessfaktor: Zehn pneumatische Kissen massieren Fahrer und Beifahrer in fünf wählbaren Programmen und drei Stärken. Eine Wohltat. Dazu kommt, dass sich die Passagiere dank aufwendiger Dämmung wie von der Außenwelt entkoppelt fühlen; Alltagsstress bleibt draußen. Es sind überhaupt die kleinen Dinge, die der A8 einen abnimmt: So geht nach dem Abschalten des Motors die Getriebeautomatik von allein in den Parkmodus.

Apropos Motor. Wir sind alle drei Triebwerke gefahren. Die beiden Achtzylinder sind top. Aber: Wer braucht schon 800 Newtonmeter Drehmoment, das dann irgendwann elektronisch weggeregelt wird? Der V6-TDI reicht völlig aus. Denn auch 250 PS und 550 Newtonmeter werden mit dem Zweitonner spielend fertig. Dazu passt das überarbeitete serienmäßige Luftfederfahrwerk mit den unterschiedlichen Programmen von sehr sportlich bis ganz komfortabel. Der A8 geht nun endlich (trotz der bei unserem Testwagen montierten imposanten 20-Zöller) mit den Passagieren so schonend um, wie man das in dieser Klasse einfach erwarten muss. Das lästige Zittern des Vorgängers ist passe. Mehr noch:

Betreutes Fahren der besonderen Art: Bei Bedarf ist das Dickschiff – trotz Alu-Leichtbauweise gut 100 Kilo schwerer als ein BMW Siebener – fast so handlich wie ein BMW und dennoch fast so komfortabel wie ein Mercedes. Aber nur für den, der gut 100 000 Euro übrig hat.

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