Der Tagesspiegel : Auf dem Lausitzring geht das Rennen weiter Wirtschaftsminister sagt der insolventen Strecke weitere Fördermittel von 5,8 Millionen Euro zu

Claus-Dieter Steyer

Klettwitz. Der insolvente Lausitzring erhält trotz der angespannten Haushaltslage weitere Zuweisungen in Millionenhöhe aus der Brandenburger Landeskasse. Wie Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) gestern mitteilte, wird die 150 Kilometer südlich Berlins gelegene Rennstrecke bis zum Jahre 2008 mit bis zu 5,8 Millionen Euro unterstützt. Damit solle der Rennbetrieb aufrechterhalten werden. Ursprünglich wollte die Geschäftsführung bis Ende September einen Käufer für die im August 2000 eröffnete Anlage präsentieren. Doch alle Verkaufsversuche scheiterten bislang.

Mit den Interessenten habe es unterschiedliche Auffassungen über die Höhe des Preises und die prozentuale Beteiligung am Erlös gegeben, erklärte Junghanns. Das Land wolle das Projekt nicht scheitern lassen.

Nur bei einem Weiterbetrieb der Renn- und Teststrecke könne künftig mit einem „Verkaufserlös in substanzieller Höhe“ und mit volkswirtschaftlichen Effekten für die Region gerechnet werden, meinte der Minister. Deshalb müsse zusätzliches Geld investiert werden, um den Lausitzring „über eine Durststrecke“ hinwegzuhelfen.

Auch anderswo in Deutschland seien öffentliche Mittel für Rennstrecken „eher die Regel als die Ausnahme“. Der Hockenheim- oder der Nürburgring würden nicht nur durch die öffentliche Hand unterstützt, sondern diese halte in beiden Fällen auch die Mehrheit der Gesellschafteranteile. Der Lausitzring auf einem ehemaligen Tagebaugelände an der Autobahn nach Dresden hatte rund 160 Millionen Euro gekostet. Davon waren etwa 120 Millionen Euro Fördermittel des Landes Brandenburg.

In diesem Jahr wurden auf dem Eurospeedway Lausitz bei zehn Rennen 311 500 Zuschauer gezählt. Im Vergleich zu 2002 bedeutete das einen Zuwachs um fast neun Prozent. Höhepunkt war das Gastspiel der amerikanischen Cart-Serie im Mai mit über 100000 Gästen. Die bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnellen Autos gastierten erstmals 2001 auf dem Lausitzring und zogen damals 150 000 Zuschauer an. 2002 mussten die Rennen wegen der Insolvenz des Lausitzringes kurzfristig abgesagt werden. Im nächsten Jahr wird es erneut kein Gastspiel geben. Doch diesmal liegt es an finanziellen Problemen der amerikanischen Rennveranstalter. Aus Kostengründen haben sie für 2004 sowohl auf die in Großbritannien als auch auf die in Deutschland geplante Veranstaltung verzichtet.

Diese amerikanischen Rennen sollten dem Lausitzring eigentlich die Tür zur Formel 1 öffnen. Aus diesem Grund war der Name der Rennstrecke in Eurospeedway Berlin-Brandenburg geändert worden. Erst nach starken Protesten aus der Region, die das Projekt einer Rennsport-Arena schon zu DDR-Zeiten verfolgte, wurde der Zusatz „Lausitz“ an den Namen angehängt. Qualitativ gehört die Anlage zu den besten in Europa. Allerdings hat sich die Formel 1 auf die beiden etablierten westdeutschen Strecken festgelegt. Aus dem ursprünglich verfolgten Projekt, einen möglichen „Preis von Polen“ oder einen „Grand Prix Osteuropa“ in der Lausitz auszutragen, ist nichts geworden.

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