Der Tagesspiegel : Auf dem rechten Weg zum Landurlaub

In Brandenburg bieten bereits rund 150 Bauern ein Quartier an. Mit neuen Hinweisschildern sind diese Höfe jetzt leichter zu finden

Claus-Dieter Steyer

Ruhlsdorf - Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) zeigte sich gestern auf dem Bauernhof in Ruhlsdorf bei Strausberg schlagfertig. Mit zehn genauen Hammerschlägen nagelte sie das erste neue Hinweisschild „Bauernhof Urlaub“ an das Scheunentor des Betriebes von Familie Ewald. Das soll künftig Touristen zwischen der Ostsee und den Alpen den Weg zur Übernachtung beim Bauern weisen. Und da ein Urlaub auf dem Dorf nicht unbedingt bei Bauern stattfinden muss, gibt es jetzt auch ein Schild „Landurlaub“. Darum können sich beispielsweise Pensionen oder Fischereien bewerben. In Kürze werden auf den Schildern wie bei Hotels auch Sterne verzeichnet. Im Moment läuft die Klassifizierung der deutschlandweit rund 25 000 Bauernhöfe, die Gästebetten zur Verfügung stellen.

Laut der jüngsten Reiseanalyse interessieren sich rund 6,5 Millionen Menschen und damit zehn Prozent der Bevölkerung über 14 Jahre für einen Urlaub auf dem Land. Die Zahl der jährlichen Übernachtungen stieg von 19 Millionen 1994 auf knapp 26 Millionen im Vorjahr.

In Brandenburg bieten rund 150 Höfe zwischen Prignitz und Lausitz ein Urlaubsquartier an. Die Auslastung der Betten liegt im Jahresdurchschnitt zwischen 43 und 45 Prozent – und damit höher als in den Hotels, die lediglich ein Drittel ihrer Kapazität verkaufen. „Wir profitieren natürlich von der Nähe zu Berlin“, sagte Joachim Mühle von der Vermarktungsgesellschaft „Pro Agro“. Denn von dort kommen die meisten Gäste. Allerdings halten die Zahlen noch keinen Vergleich mit denen aus Bayern stand: Hier öffnen zwischen 6000 und 8000 Höfe ihre Tore für Urlauber. Die Tradition dieses touristischen Angebots ist in Brandenburg einfach noch nicht lang genug. Doch auch die Bayern mussten sich in den vergangenen Jahren umstellen, so Christa Off, die Bundeschefin der Organisation für Landurlaub: „Noch vor 30 Jahren genügte es, einfach die Wohnung zu vermieten. Heute wollen die Urlauber ein Programm aus Melken, Reiten, Brot- und Kuchenbacken, Grillen oder Kremserfahrten.“

Bei der Bauernfamilie Ewald in Ruhlsdorf macht das Urlaubsgeschäft schon 50 Prozent der Einnahmen aus. „Wir zeigen, wie schön das Leben sein kann“, sagte Jürgen Ewald. Deswegen müsse aber niemand selbst zur Mistgabel greifen. „Die Städter schauen uns lieber bei der Arbeit zu.“

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