Der Tagesspiegel : Auf der Kaisertribüne die Spitzen der Gesellschaft

Pferderennen gab es hier schon 1494 – und 1868 wurde die Galoppbahn von König Wilhelm I. eröffnet

Claus-Dieter Steyer

Hoppegarten - Als der preußische König Wilhelm I. und Otto von Bismarck am 17. Mai 1868 die Galopprennbahn am östlichen Berliner Stadtrand feierlich eröffneten, hatte der Pferdesport hier bereits Tradition. Alte Chroniken verweisen auf Pferderennen an dieser Stelle schon im Jahre 1494, die ersten Wetten wurden bereits ab 1835 auf einer Vorläuferbahn abgeschlossen. Da trug der Ortsteil der Gemeinde Dahlwitz schon seinen Namen: 1734 hatte Preußens Kriegsminister Freiherr Samuel von Marschall hier als Gutsbesitzer auf königliche Weisung die erste Hopfenplantage angelegt. Man nannte sie Hopengarten – nach dem wendischen Begriff für Hopfen.

An Bierbrauen aber dachte keiner mehr, als nach der Eröffnung des 430 Hektar großen Areals mit Ställen, Trainingsstätten und der 1400 Meter langen Rennbahn die Besucher begannen, in den grünen Vorort zu strömen. Ab 1870 stellte auch die Anreise kein Problem mehr dar, als die Züge aus Berlin an dem eigens für die Rennbahn gebauten Bahnhof „Hoppegarten“ hielten. Nun war der Aufstieg zu Deutschlands berühmtester Pferderennbahn nicht mehr aufzuhalten. Die Zügel hielt der am 15. Dezember 1867 gegründete Berliner Union-Klub mit Mitgliedern aus ganz Deutschland in der Hand. Wetteinnahmen und Spenden spülten viel Geld in die Kassen, so dass 1888 die große Kaisertribüne entstand. Auf ihr traf sich bis zum Ersten Weltkrieg die gesellschaftliche Spitze Berlins. Bis zu 40 000 Zuschauer verfolgten die Rennen, das auf 730 Hektar erweiterte Gelände bot Platz für 1500 Pferde. Nach Krieg und Wirtschaftskrise strömten Anfang der 30er Jahre wieder zehntausende Besucher zu den sonntäglichen Veranstaltungen. 1944 aber war Schluss; die Haupttribüne wurde in eine Rüstungsfabrik umgebaut.

Schon am 14. Juli 1946 fiel der Startschuss für das erste Nachkriegsrennen, obwohl es kaum genügend Pferde gab. Hoppegarten wurde in der Bodenreform dem Land Brandenburg unterstellt und schließlich in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt. Obwohl der Pferdesport in der DDR wegen der fehlenden Aussicht auf Olympiamedaillen nur eine geringe Förderung erfuhr, gehörte die Rennbahn für die Ost-Berliner doch zu den beliebtesten Ausflugsadressen. Hier konnte man wetten, sich amüsieren und sich mit Freunden treffen.

Nach dem Fall der Mauer stieg Hoppegarten sogar kurzzeitig zur Gesamtberliner Attraktion auf. Unvergessen bleibt der erste deutsch-deutsche Renntag bei schönstem Wetter am 31. März 1990 mit mehr als 50 000 Besuchern. Unter der Aufsicht der Treuhand folgte ein Großrenntag auf den anderen. Noch im Sommer 2003 schien der Aufstieg in die europäische Spitzenklasse greifbar nahe. Doch dem Union-Klub als Betreiber fehlte das Geld für Notwendige Modernisierungen. Er ging 2005 Pleite und die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH übernahm die Suche nach einem Käufer. Im Vorjahr konnte der Rennbetrieb nur durch einen Zuschuss von 150 000 Euro aus der Gemeindekasse gerettet werden. Auch künftig will die Gemeinde „alles nur Mögliche“ tun, um die Rennbahn zu erhalten, sagt Bürgermeister Klaus Ahrens: „Dieses Kulturgut muss unserer Gemeinde als Markenzeichen unbedingt erhalten bleiben.“ Claus-Dieter Steyer

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