Der Tagesspiegel : Auf hohe Auszeichnungen abonniert

Klare Stilistik, markante Mineralik: Markus Huber, der junge Starwinzer aus dem niederösterreichischen Traisental, rückt mit seinen Veltlinern und Rieslingen eine bislang nur wenig beachtete Region ins Blickfeld

Wer behauptet da, die Erfolgsgeschichte des österreichischen Weins habe erst um 1985 begonnen? Im niederösterreichischen Traisental, dem kleinsten Weinbaugebiet des Landes, wurden die Reben schon in der Bronzezeit kultiviert, lange, bevor die Römer kamen. Und selbst der junge Markus Huber, der gegenwärtig als zukunftsträchtigster und - zusammen mit dem Altmeister Ludwig Neumayer - bester Winzer der Region gilt, bringt allerhand Geschichte mit: Sein Betrieb in Reichersdorf ist seit 1778 in Familienbesitz, er selbst Winzer in 10.Generation.Das könnte eine Last sein - doch der 29jährige Senkrechtstarter wirkt unbefangen und aufgeschlossen, keineswegs wie ein Gralshüter önophiler Tradition, an dem die Last der Jahrhunderte zerrt.

Huber ist kein rarer Name in Österreich, doch wenn der Name in Zusammenhang mit Wein fällt, gibt es längst keine Verwechslungen mehr - er ist draußen längst bekannter als das Traisental, das sich südöstlich der berühmten Wachau von der Donau bis nach St.Pölten erstreckt. Hier wächst praktisch nur Weißwein, und das seit 2007 auch hier eingeführte DAC-Reglement (Districtus Austriae Controllatus) gilt ausschließlich für Veltliner und Riesling. Andere Sorten wie Sauvignon blanc und Weißburgunder kommen zwar vor, müssen aber ohne das DAC-Siegel vermarktet werden. Der verlässliche Falstaff-Weinführer erwähnt im gesamten Traisental gerade acht Weingüter - doch es gibt natürlich viel mehr, und Verkostungen des aktuellen Jahrgangs 2007 deuten darauf hin, dass sich weitere ehrgeizige Winzer nach oben orientieren. Langsam hat sich herumgesprochen, dass es sich lohnt, die typischen Eigenschaften der Weine des kleinen Anbaugebiets herauszuarbeiten, die immer frische, fast schon zitronig anmutende Säurestruktur, die diskrete Tabaknote im Bukett.

Dabei ist Markus Huber führend. Seit er von seinem auch schon recht erfolgreichen Vater Anton die Verantwortung für die Kellerarbeit des 20-Hektar-Guts übernahm, häufen sich die lobenden Erwähnungen in der internationalen Fachpresse, die wichtigen Auszeichnungen. Landessieger im österreichischen „Salon", Sieger im „Falstaff-Veltliner-Grand Prix", „Best White Wine Producer" auf der Londoner „International Wine & Spirit Competition 2006", schließlich der sehr inoffizielle Titel „Wunderkind" im britischen Magazin „Decanter".

Markus Huber sind diese Dinge nicht zugeflogen - er hat zunächst nichts aus dem eigenen Genius geschöpft, sondern nach einem Ingenieurstudium der Fachrichtung Wein- und Obstbau in Klosterneuburg nationale und internationale Erfahrungen gesammelt, absolvierte Praktika in österreichischen Top-Betrieben wie Jurtschitsch und Bründlmayer und bei mehreren südafrikanischen Weingütern. Doch ein Faible für internationale Rebsorten ist daraus nicht entstanden: In den heimischen Weingärten, die immer noch von seinem Vater beaufsichtigt werden, dominiert der Grüne Veltliner mit 70 Prozent, zehn Prozent Riesling, je fünf Prozent Müller-Thurgau und Sauvignon blanc; die restlichen zehn Prozent der Rebfläche, die warmen, sandigen Lagen, sind dem roten Zweigelt vorbehalten, etwas Muskateller gibt es außerdem. Die Vielfalt der Böden – Löß, Lehm, und kalkreiches Konglomerat, also eine Mischform – macht den besonderen Reiz der Weine des Traisentals aus, sofern der Winzer es schafft, sie den Reben richtig zuzuordnen.

Markus Huber schafft das zweifellos. Seine Weine stechen in Verkostungen durch ihre kristalline, glockenklare Stilistik, Sortentypizität und terroirbetonte Mineralik hervor. Das Sortiment ist klar strukturiert: Der Veltliner „Hugo“ fällt durch den Namen und das kreischbunte Etikett etwas aus der Reihe - es ist der Einsteigerwein des Gutes, der sich vor allem an den Bedürfnissen der jungen Gastronomie orientiert, knackig im Stahltank ausgebaut. Es folgt der Veltliner „Klassik", eine Cuvée aus den verschiedenen Rieden des Gutes, die mit ihrer Apfelfrucht, den Blütenaromen und dem Hauch von weißem Pfeffer dem traditionellen Geschmacksbild des Veltliners entspricht. Nach oben geht es dann weiter mit den volleren Lagenweinen. „Obere Steigen" kommt ebenfalls aus dem Stahltank, ein finessenreicher, kerniger Wein, eine Brücken zwischen dem klassischen und dem modernen Stil. „Alte Setzen" ist bereits eine Selektion sehr reifer Trauben, im Stahl vergoren und im großen Holzfass ausgebaut. Feine Honigwürze ergänzt hier die Kräuter- und Birnenaromen der Sorte, zarte Extraktsüße und feine Säure sind gut ausbalanciert. Schließlich: „Berg“, Hubers Top-Veltliner, gewachsen in einer südseitigen Hanglage, ein muskulöser, saftiger, stark von den Kalkböden geprägter Wein mit enormer Länge und Komplexität. Die 2007er Reserve dieses Weins wurde von den Falstaff-Verkostern mit 95 Punkten bewertet und galt damit als bester Veltliner des Jahrgangs überhaupt.

Die Rieslinge Hubers stehen fast ein wenig im Schatten, vermutlich, weil sie nur in relativ kleinen Mengen verfügbar sind, und weil die Kunden Riesling doch eher in der benachbarten Wachau oder im Kamptal erwarten. Dennoch sind es Weine, die sich im internationalen Vergleich ebenso sehen lassen können: der schlanke Klassik-Riesling, der komplexere „Terrassen" aus exponierten südlichen Hanglagen und der brillante „Berg" aus dem großen Holzfass mit seinen expressiven Anklängen an Steinobst, weiße Pfirsiche vor allem.

Inzwischen hat sich der junge Erfolgswinzer auch in den elitären Verein der Traditionsweingüter Österreichs hineingearbeitet, der nur 24 Mitglieder hat – das ist eine Basis für weitere gute Nachrichten aus dem Traisental.

Die Veltliner von Markus Huber gibt es in Berlin beim Weinladen Schmidt, www.weinladen.com, die Rieslinge nur per Internet, z.B. bei www.vinoaustria.de oder www.rotweissrot.de. Näheres über www.weingut-huber.at

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