Der Tagesspiegel : Auf Sternensuche im Gotteshaus

In Neuhardenberg wurde gestern gefeiert: Die Sanierung der Schinkel-Kirche ist beendet

Claus-Dieter Steyer

Neuhardenberg - Mit großen Mappen unter dem Arm machten sich gestern viele Menschen auf den Weg zur Schinkel-Kirche in Neuhardenberg. Im Gotteshaus selbst begannen sie vor dem Festgottesdienst zum Abschluss der 1,5 Millionen Euro teuren Sanierung mit einer ungewöhnlichen Suchaktion. Sie wollten an der Decke ihre Sterne finden, für die sie seit 1998 eine symbolische Patenschaft übernommen hatten. In den Mappen befand sich die Urkunde mit der genauen Positionsangabe ihres Sterns an der Decke.

Zwischen 20 und 1500 Euro kostete so eine Patenschaft für einen der zwischen zwei und acht Zentimeter großen, strahlenden Punkte. Schinkel selbst soll sich beim Umbau der durch einen Brand schwer beschädigten Kirche im Jahre 1817 für diese Deckengestaltung entschieden haben. Dafür lehnte er sich wohl an sein Bühnenbild für Mozarts „Zauberflöte“ am Berliner Schauspielhaus an. Die ungewöhnliche Spendenaktion brachte jetzt rund 250 000 Euro zusammen – auch dank des Einsatzes der Reemtsma-Stiftung, die jede einzelne Summe noch verdoppelt hatte.

„Für 4360 der 6260 Sterne haben wir bereits Paten gefunden“, sagte Christa Starke, die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins. „Ich habe bei meinen Führungen die Menschen einfach angesprochen, auf eine ganz besondere Art die Sanierung zu unterstützen.“ Ihr sei wohl dabei die 35-jährige Erfahrung als Verkäuferin zugutegekommen, meinte die 71-Jährige. Gestern begrüßte sie viele Paten persönlich und half ihnen bei der Suche „ihres Sterns“.

Dabei hörte Christa Starke noch einmal ganz unterschiedliche Motive für eine Patenschaft. Sie war beispielsweise eine Überraschung für Geburtstagskinder, Geschenk zum Hochzeitstag oder eine Erinnerung an einen schönen Ausflug in das Oderbruch. Sogar aus der Schweiz, den USA, Kanada, aus Israel und Usbekistan stammten die Paten und ermöglichten so das „kleine Wunder“, wie es Pfarrer Thomas Krüger formulierte.

Selbst nach dem gestern im vollbesetzten Kirchenbau gefeierten Abschluss der Sanierung warb Christa Starke weiter um Sternenpatenschaften. „Im September konnten die Regenfallrohre die Wassermassen eines Wolkenbruchs nicht aufnehmen, so dass einige Fassadenteile restauriert werden müssen.“ Auch an Altarleuchten und am Taufbecken seien noch Arbeiten notwendig.

Doch der Wassereinbruch konnte die allgemeine Freude über das wieder in alter Schönheit strahlende Schmuckstück gegenüber dem Schloss Neuhardenberg nicht trüben. Auf den Tag genau vor 190 Jahren hatte die Kirchengemeinde die Einweihung des Schinkelbaus gefeiert.

„Besucher erleben jetzt wieder das schlichte und elegante Original des preußischen Baumeisters“, sagte Uwe Rosenberg, der Chef des Fördervereins. Die Orgel spielt wieder, die hölzerne Kanzel steht fest, und auch die lange verschollenen Bleiglasfenster der Emporenflügeltüren fanden ihren alten Platz. Emporen, Seitenwände und Bänke zeigen sich wie beim Schinkel’schen Original in Altrosa.

Geblieben ist auch der Platz für das Herz des preußischen Staatskanzlers Karl August Fürst von Hardenberg. Es wird im Altar aufbewahrt. Das hatte sich der preußische Reformer lange vor seinem Tod im Jahre 1822 gewünscht.

An die Zeit zwischen 1949 und 1991, als der Ort als Zeichen für die Ablehnung der preußischen Vergangenheit den Namen „Marxwalde“ erhielt, erinnert nur noch ein Straßenschild vor der Kirche. Vom Schinkel-Platz zweigt dort die KarlMarx-Allee ab. Claus-Dieter Steyer

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