Der Tagesspiegel : Auf Wachstumskurs

Der neue Flughafenchef zieht eine erste Bilanz Rainer Schwarz sieht Ausbau-Chancen für BBI

Rainer W. During

Schönefeld - Gänzlich zu den Akten gelegt sind die Pläne für ein Berliner Luftkreuz noch nicht. Zwar gehen die Planer zunächst nur von fünf Prozent Umsteigepassagieren aus. Durch Flexibilität soll beim Bau des neuen Airports BBI in Schönefeld jedoch alles möglich bleiben. Damit man reagieren kann, wenn „Wünsche und Visionen“ eines Tages doch Realität werden, sagte Rainer Schwarz. Er zog gestern eine erste Bilanz nach einem Monat als neuer Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen.

Im Vergleich steht Berlin gut da: Nach Frankfurt erreicht auch München in Spitzenzeiten bereits jetzt die Kapazitätsgrenze, so Schwarz. Die vorgesehenen neuen Landebahnen befinden sich in frühen Planungsstadien. Düsseldorf und Hamburg sind als Stadtflughäfen nur bedingt ausbaufähig. „Berlin ist der einzige Flughafen, der mit einem letztinstanzlichen Urteil die Möglichkeit hat, Kapazitäten für die Zukunft aufzubauen.“ Das Nachtflugverbot kam für den neuen Airport-Chef nicht überraschend. Bezüglich der so genannten Randzeiten müsse man den Richterspruch genau interpretieren.

Es gelte, schon heute bestehende Verbindungen so zu organisieren, dass eine verstärkte Knotenfunktion für Flüge innerhalb Europas entsteht, sagte Schwarz, der bisher den Düsseldorfer Airport managte. Die erfolgreiche Entwicklung neuer Flugzeugtypen wie der Boeing 787 steigere zudem die Attraktivität des von den Fluggästen zunehmend geforderten Punkt-zu-Punkt-Verkehrs auch auf der Langstrecke.

Bei der Vergabe der Bauaufträge für den BBI müsse „ein gesunder Kompromiss“ gefunden werden zwischen dem, was wirtschaftlich geboten und dem, was politisch gewollt ist, sagte Schwarz. BBI biete die Chance, neue Geschäftsbereiche im Nichtflugbereich zu entwickeln, die an anderen Airports bereits mehr als 40 Prozent der Einnahmen ausmachen. Neue Technologien beispielsweise bei der Abfertigung können gleichzeitig die Kosten senken.

Bei einer erneut zehnprozentigen Steigerung im ersten Halbjahr wird die Zahl der Berlin-Passagiere 2006 die 18 Millionen-Grenze überschreiten. Doch leiste sich die Stadt bisher den Luxus, dieses Aufkommen auf drei Flughäfen zu verteilen. Aus wirtschaftlichen und verkehrlichen Gründen müsse Tempelhof baldmöglichst geschlossen werden. Wegen des laufenden Verwaltungsaktes und der anschließend erwarteten Klagen wollte sich der Geschäftsführer gestern aber auf kein Datum festlegen. Beantragt ist der 31. März 2007, aber das Anhörungsverfahren wurde auf Antrag der Betroffenen gerade bis Mitte Juli verlängert. Luftverkehrsgesellschaften und Businessflieger haben Widerstand angekündigt.

Die Schließung von Tempelhof sei „ein wichtiger Baustein“ für die Finanzierung des BBI-Eigenanteils von 440 Millionen Euro, betonte Schwarz. Das interne „Fokus 440“-Programm sieht neben Ertragssteigerungen auch den Verzicht auf die Neubesetzung von rund 200 Stellen vor, die in den kommenden Jahren altersbedingt frei werden.

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