Der Tagesspiegel : Aufstand der CDU-Basis gegen Schönbohm fällt aus

Erste Regionalkonferenz der Partei nach dem Wahldebakel: Gute Worte für den Vorsitzenden – weil er 2007 auf jeden Fall zurücktritt

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Cottbus Jörg Schönbohm wirkte gut gelaunt wie lange nicht. Kein Wunder: Die erste Regionalkonferenz der Brandenburger CDU, zur Aufarbeitung der Wahlniederlage endete glimpflich für ihn. Zwar musste sich der CDU-Landesvorsitzende bei der Generalaussprache in Cottbus erneut Vorwürfe wegen seiner These von der Proletarisierung Ostdeutschlands durch die SED anhören, die der märkischen Union den Wahlkampf verhagelt hatte. Aber es blieben Einzelstimmen, die auf der Veranstaltung zu hören waren, bei der die Öffentlichkeit ausgeschlossen war. Die Parteizentrale registrierte erleichtert: Drei Schönbohm-Kritiker bei 17 Wortmeldungen. Rücktrittsforderungen wie noch vor einigen Wochen gab es gar keine – trotz des miserablen 20-Prozent-Ergebnisses, bundesweit das schlechteste der Union, die in Brandenburg hinter SPD und Linkspartei nur drittstärkste Kraft wurde.

„Der Blick der Partei ist wieder nach vorn gerichtet: Wir müssen jetzt die Grundlage für eine erfolgreiche Landtagswahl 2009 legen“, sagt der Cottbuser CDU-Chef Michael Schierack über den Stimmungswandel. Für diesen gab Schönbohm selbst das entscheidende Signal, indem er vor einer Woche angekündigt hatte, 2007 nicht erneut als Parteichef zu kandidieren – was auf breite Zustimmung stößt. „Das ist eine klare Linie“, sagt etwa Margret Keller, Kommunalpolitikerin aus Dahme-Spreewald. „Das ist gut so, schon aus Altersgründen“, meint Wolf-Dietrich von Frantzius aus Cottbus. „Er soll bis 2007 die Zügel halten. Wir wollen ja auch nicht die Zustände in der Partei wieder, die vor Schönbohm herrschten“, sagen jüngere CDU- Mitglieder wie Benjamin Kaiser, Kreischef der Jungen Union in Dahme-Spreewald.

Zwar ließ sich Schönbohm auf der Regionalkonferenz keine Andeutung darüber entlocken, wen er als Nachfolger bevorzugt. „Das muss die Partei dann entscheiden“. Allerdings gilt als offenes Geheimnis in der Union, dass Schönbohm seinen Stellvertreter und Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns favorisiert, der als integrationsfähig gilt. Und die Basis stellt sich auch darauf ein, dass nach dem Abgang Schönbohms zwangsläufig ein Team die Partei führen muss. „Man muss die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen“, sagt etwa Marko Suske, CDU-Mitglied aus Herzberg.

Wie Suske können sich viele mit jenem Szenario anfreunden, das einige für die Wunschlösung Schönbohms halten: Junghanns wird 2007 Parteichef – und die charismatische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka wird als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2009 „aufgebaut“. Die Basis, so der Eindruck, scheint der Nach-Schönbohm-Ära gelassen entgegenzusehen. thm

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