Auktionen bei Christie's und Sotheby's : Ersteigern bis der Arzt kommt

Christie’s und Sotheby’s versteigern in London Kunst für eine Milliarde Dollar, darunter ein breites Warhol-Angebot und Monets Seerosengemälde.

Matthias Thibaut

Mit weißen Handschuhen und Pinzette installierten diese Woche Spezialisten Damien Hirsts großen Arzneischrank „Lullaby Spring“ im Londoner Auktionshaus Sotheby’s. Geduldig schoben die Angestellten des Hirst-Studios 6300 in Gips gegossene und handbemalte Pillen im exakten Abstand auf schmale Spiegelregale eines Aluminiumschranks. Nächste Woche wird ein Multimillionär sechs bis acht Millionen Dollar für das bunte Pillenwerk bezahlen – oder auch mehr.

Hirst-Preise steigen. Im Mai brachte das Parallelwerk „Lullaby Winter“ in New York den Auktionsrekord von 7,4 Millionen Dollar. Im Preis inbegriffen sind ausgeklügelte Holzkisten und Schubkästen, in denen alles, mit Lageplan für jede Pille, verpackt werden kann.

Es wird eine hektische Woche an der großen Handelsbörse der Kunstauktionen, an der Sammler und Spekulanten aus aller Welt spielen wie am Aktienmarkt. Kunst von klassischem Impressionismus bis zu den Contemporary Stars für fast eine Milliarde Dollar wird angeboten. Qualität auf breiter Front soll die Umsatzrekorde vom Februar übertrumpfen. Sotheby’s hat in der Impressionisten- Abendauktion nun Durchschnittsschätzungen von über 1,2 Millionen Pfund (2,3 Millionen Dollar). Christie’s bietet in seiner Contemporary-Abendauktion vier amerikanische Sammlungen an. Niemand hat Zweifel, dass die neuen Sammler aus Ländern wie Russland und China das teuer Angebotene begierig kaufen.

Ein breites Warhol-Angebot

So reduziert der Schuhdesigner Ernesto Esposito sein auf 800 Werke angeschwollenes Kunstportefeuille, um die Preissteigerungen der vergangenen zehn Jahre, laut Datenbanken rund 400 Prozent, in Gewinn umzuwandeln. Das US-Sammlerpaar Elaine und Melvin Merians verkauft hochkarätige britische Kunst, um bei jüngeren Künstlern und niedrigeren Preisen wieder einzusteigen. Star der Sammlung ist das als Rekordbild taxierte „Bruce Bernard“ von Lucien Freud (9–11 Millionen Dollar). Eine weitere Sammlung bei Christie’s stammt aus dem Nachlass der Kölner Karl Heinz und Rosemarie Delil: Zugunsten eines Kinderkrankenhauses in Olpe wird marktfrische Kunst von Yves Klein, Piero Manzoni und deutschen Altmeistern wie Günther Uecker oder Gotthard Graubner verkauft: Künstler, die nicht teuer genug für die Abendauktion sind und aus einer Zeit stammen, in der Kunst noch ein bürgerliches Vergnügen statt Hochfinanz war.

Wer in diesen Hochpreismarkt einsteigen will, kann in London nun leicht eine schöne Sammlung zusammenstellen. Man könnte etwa das Tabletten-Thema weiterverfolgen und zu Hirst noch Andy Warhols Siebdruckgemälde „Lifesavers Candy“ (400.000–600.000 Dollar) und Ed Ruschas Pop-Stillleben „Pain Killers, Tranquilizers, Olive“ für 800.000 Dollar kaufen. Nie war das Angebot von Warhol so breit: Von Brigitte Bardot (5–7 Millionen Dollar) bis John Lennon (bis 3,6 Millionen Dollar) geht das Angebot. Christie’s-Expertin Pilar Ordova schwärmt von einem kleinen Warhol-Selbstporträt mit „Fright Wig“–Acrylperücke, der die Haare zu Berge stehen. 1986 kosteten solche Kleinformate in der Londoner d’Offay Galerie vielleicht 30.000 Dollar - nun sind bis 1,2 Millionen Dollar geschätzt.

Monets Seerosengemälde ist auch zu ersteigern

Für zehn Millionen Dollar könnte man eine feine Sammlung zusammenstellen, doch Ordova empfiehlt, lieber die ganze Summe auf ein unfehlbares Meisterwerk zu setzen: „Die großen Werke werden unweigerlich knapp. Sehen Sie sich den Impressionistenmarkt an. Alle guten Bilder sind schon in Museen verschwunden.“ Auch bei Picasso ist das Angebot angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach den Stars ausgedünnt.

Für die ganz Großen würden aber auch zehn Millionen Dollar nicht reichen. Weder für das große Selbstporträt von Francis Bacon, 1978 gemalt, das bei Sotheby’s auf 16 bis 24 Millionen Dollar geschätzt ist, noch für den ebenso hoch geschätzten Matisse „Danseuse dans le fauteuil“. Erst recht nicht für die Seerosengemälde von Claude Monet, die die Katalogumschläge der Impressionistenauktionen von Sotheby’s und Christie’s am Montag- und Dienstagabend schmücken.

Sotheby’s Monet soll 20 bis 30 Millionen Dollar kosten. Das Gemälde gehört zu den besten der Serie und war seit 80 Jahren nicht mehr öffentlich zu sehen. Wenn stimmt, dass die Preise für Bestes nur steigen können, müsste das Gemälde den 1998 mit 33 Millionen Dollar für ein ähnliches Seerosenbild aufgestellten Rekord aus dem Feld schlagen. Dann wird man sehen, ob die Monet-Preise seither nur mangels überzeugender Angebote stagnieren. Oder ob Monet eben doch ein bisschen aus der Mode gekommen ist.