Der Tagesspiegel : Aus dem Ei

Forscher klonen erstmals menschlichen Embryo

Hartmut Wewetzer

Die Titelseite des US-Fachmagazins „Science“ vom 12. März 2004 zierte eine mikroskopische Aufnahme, angefüllt mit einem wimmelnden Zellhaufen in zarten Blautönen. Das Foto zeigte menschliche embryonale Stammzellen, eigentlich keine Sensation mehr. Aber diese Stammzellen waren das Produkt eines geklonten menschlichen Embryos, Made in South Corea. Das gab es noch nie. 16 junge Frauen hatten Eizellen für das Forschungsprojekt von Woo Suk Hwang von der Seouler Nationaluniversität gespendet. Nach 241 Fehlschlägen gelang schließlich der 242. Versuch.

Für die einen sind die embryonalen Stammzellen aus menschlichen Klonen ein Hoffnungsträger, weil sie eines Tages das Züchten von Ersatzgewebe für Kranke ermöglichen sollen. Da die Gene vom Patienten (oder einem Menschen mit ähnlichem Immunsystem) stammen, wird das Gewebe nicht abgestoßen. Für die Kritiker ist der koreanische Klon-Erfolg aus zwei Gründen problematisch. Zum einen müssen menschliche Embryonen zerstört werden, um eine medizinische Behandlung zu ermöglichen. Und zum anderen ebnet der Erfolg des therapeutischen Klonens auch dem reproduktiven Klonen den Weg, also dem eigentlichen „Menschenkopieren“.

In Großbritannien ist das therapeutische Klonen unter Auflagen erlaubt, und im Juni erhielt Miodrag Stojkovic von der Universität Newcastle die erste Lizenz. Mehr Gewicht dürfte eine kalifornische Volksabstimmung haben, die zeitgleich mit der US-Präsidentenwahl stattfand. Die Bürger des Sonnenstaates im Westen der USA stimmten für ein gewaltiges Forschungsprogramm an embryonalen Stammzellen. Drei Milliarden Dollar fließen in den kommenden zehn Jahren in die Stammzellforschung.

Keine Einigung über ein Klonverbot gab es bei den UN. Die Totalgegner (therapeutisches und reproduktives Klonen) konnten sich nicht mit den Teilgegnern (nur gegen reproduktives Klonen) einigen. Im Februar 2005 soll wieder beraten werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben