Der Tagesspiegel : AUS DEM GERICHT

Böllerwurf: Wollte ein Polizist Kollegen schützen?

Die Autofahrerin hatte sich kaum von der Knallerei erholt, da stand sie wieder fassungslos da: „Der Polizist wollte meine Anzeige nicht aufnehmen“, sagte sie gestern als Zeugin. Dabei war aus einem vor ihr fahrenden Auto ein Silvesterböller geflogen, der unter ihrem Renault Clio explodierte. Dadurch sei der Beifahrerairbag ausgelöst worden. Sie merkte sich das Kennzeichen und erstattete Anzeige. Die Anklage geht nun davon aus, dass dem Beamten, der die Anzeige aufnehmen sollte, schnell klar war, dass es sich um ein Dienstfahrzeug handelte.Dass er die Sache unter den Tisch kehren und Ermittlungen gegen Kollegen verhindern wollte, bestritt der 42-jährige Polizist aber. „Für mich war das kein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“, meinte er. Das Kennzeichen sei mit einer Auskunftssperre belegt gewesen. „Ich sagte der Frau, dass es sich um ein Behördenfahrzeug handelt.“ Angeblich wusste er nicht, dass es ein Fahrzeug ist, mit dem Kollegen seiner Dienststelle in Zivil unterwegs waren. „Es war alles eine Frechheit“, beschrieb die 26-jährige Zeugin den Auftritt des Angeklagten am Nachmittag des 2. Januar in Moabit. Hüter des Gesetzes würden keine Böller aus dem Fenster werfen, habe er ihr erklärt. Ein Knaller sei nach seinen Erkundigungen auch nicht geeignet, einen Airbag auszulösen. Der Prozess um versuchte Strafvereitlung im Amt wird am 4. November fortgesetzt. K.G.

Neuer Prozess um

den Tod eines „Generals“

Der „General“ wurde in einen präparierten Transporter gelockt. Er starb während der Fahrt über den Kurfürstendamm. Doch war es tatsächlich ein kaltblütiger Mord im Februar 2006? Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte Zweifel und hob die Verurteilung eines 31-jährigen Kasachen zu lebenslanger Haft auf. Seit gestern wird der Fall nun erneut vor dem Landgericht verhandelt. Im ersten Prozess hatte der Angeklagte Elmar P. erklärt, er habe den Tschetschenen, der in bestimmten Kreisen ehrfurchtsvoll „General“ genannt wurde, lediglich einschüchtern wollen. Zu klären ist nun, ob das Opfer möglicherweise „krankheitsbedingt“ das Bewusstsein verlor. K.G.

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