Der Tagesspiegel : Aus der Bahn geworfen

Was wird aus Hoppegarten? Die Landesregierung will einem Finanzkonzept des Bundes nicht zustimmen

Michael Mara

Potsdam/Hoppegarten - Die Zukunft der Galopprennbahn Hoppegarten ist ungewisser denn je. Die Landesregierung will ein vom Bund vorgeschlagenes Modell einer öffentlichen Stiftung nicht mittragen – aus rechtlichen und politischen Gründen. Dies erfuhr der Tagesspiegel vor der heutigen Kabinettsitzung, bei der über die traditionsreiche Pferderennbahn östlich von Berlin beraten werden soll.

Das Problem: Hoppegarten macht nicht nur Verluste, zudem ist die Haupttribüne baufällig und muss saniert werden muss. Das Konzept des Bundes sieht vor, eine Stiftung zu gründen, in die dieser eine Million Euro einbringen würde. Das Land sollte sich mit 500000 Euro beteiligen, die Kommunen Dahlwitz-Hoppegarten und Neuenhagen mit jeweils 100000 Euro. Die Kosten für die Tribünensanierung von rund sieben Millionen Euro sollten zu 80 Prozent über Fördermittel – aber teilweise auch aus dem Stiftungsvermögen finanziert werden.

Dieses Modell aber ist laut Brandenburger Innenministerium nicht genehmigungsfähig. Davon abgesehen bezweifelt besonders Finanzminister Rainer Speer (SPD) die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts. In der Landesregierung wird darauf hingewiesen, es geb ekein Konzept, wie mit den Zinsen aus dem Stiftungskapital der defizitäre Betrieb der Rennbahn aufrechterhalten werden kann. „Man kann keine Stiftung befürworten, wenn nicht klar ist, welche finanziellen Konsequenzen sie für das Land hat.“

Dahinter steckt die Sorge der Landesregierung, die Beteiligung an Hoppegarten wie frühere Landesbeteiligungen könnten zum „Fass ohne Boden“ werden könnte. Weil Projekte wie die Chipfabrik gescheitert sind, sieht der Koalitionsvertrag vor, dass Beteiligungen nur noch eingegangen werden sollen, wenn sie zwingend erforderlich sind. Bei Hoppegarten sei das nicht der Fall, meint nicht nur Finanzminister Rainer Speer.

Um eine negative Entscheidung doch noch zu vermeiden, hat der „Union Klub von 1867 zu Berlin“ – der Pächter und Betreiber der formal der Treuhand-Nachfolgerin BVVG gehörenden Rennbahn – gestern in einem Schreiben an Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) Veränderungen an dem Stiftungskonzept vorgeschlagen. Kurzfristig sollte es ein Gespräch aller Beteiligten über eine genehmigungsfähige Stiftungs-Konstruktion geben, vorher möge die Landesregierung keine ablehnende Entscheidung fällen, bat Klub-Präsident Peter Jark. Man sei überzeugt, „eine für alle Seiten tragbare Lösung zu finden“, die die Arbeitsplätze und die Weiterentwicklung von Hoppegarten sichern kann. Auch Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) sucht eine Lösung.

Klub-Präsident Jark weist auf „einen sehr hohen Zeitdruck“ hin: Die Fördermittel für die Erneuerung der Tribüne, durch die mehr Attraktivität und mehr Sponsoren erhofft werden, müssten bis zum 15. Juli beantragt werden. Auch der Eigentümer BVVG drängt auf eine schnelle Entscheidung des Landes. In einem Schreiben an Platzeck vom 31. Mai wird dieser nicht nur darum gebeten, „die von Seiten des Landes unbedingt erforderliche Unterstützung zu gewähren, sondern die grundsätzliche Entscheidung zur Unterstützung des Projektes auch schnell zu treffen“. Die BVVG argumentiert, dass sich Bund und Land bereits 1994 auf eine Stiftung verständigt hätten. Das Land hält dagegen: Die Situation habe sich seither verändert, der Betrieb der Rennbahn defizitär sei und sich darum auch kein privater Investor finde.

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