Der Tagesspiegel : Ausflug ins Mittelalter

Freyenstein baut auf seine Geschichte

George Russew

Freyenstein - Raubritter waren im Norden Brandenburgs vor mehr als 750 Jahren keine Seltenheit. Immer wieder überfielen sie auch in der Prignitz Städte und Dörfer und sammelten Reichtümer an. Weitere Zerstörungen gingen auf das Konto der Mecklenburger Nachbarn, die häufig in der Gegend blutige Grenzkonflikte entfachten. Davon zeugt die Stadtwüstung Freyenstein.

Im 13.Jahrhundert soll die Stadt in Flammen gestanden haben und aufgegeben worden sein, berichtet der Berliner Ausgrabungsingenieur Thomas Schenk. Kurze Zeit später wurde sie wieder aufgebaut – allerdings nicht an gleicher Stelle, sondern wenige hundert Meter entfernt. Allmählich geriet die Vorgeschichte des nordbrandenburgischen Städtchens in Vergessenheit. Es existierten nur Erzählungen und Sagen wie die, dass der Teufel Namenspate von Freyenstein sein soll. Er habe sich bei Wittstock an einem Stein gestoßen und geschrien, dass er nie mehr hier lang kommen würde und frei von Stein sein wolle. So haben das Dorf Niemerlang und die Stadt Freyenstein ihre Namen bekommen.

Diesen fernen Geschichten kam man im Jahr 1980 auf die Spur: Postmitarbeiter fanden beim Verlegen von Telefonleitungen Grundmauern aus dem Mittelalter. „Archäologen haben bis 1987 das Gelände bei der jetzigen Stadt Freyenstein abgesucht. Allerdings haben die Experten das Ausmaß der Funde verkannt“, sagt Thomas Schenk. Erst 15 Jahre später gaben geoelektrische Untersuchungen Aufschluss über die wahre Größe des mittelalterlichen Freyenstein.

Die alte Stadt ist eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtwüstungen in Deutschland und zählt damit zu den bedeutendsten archäologischen Bodendenkmälern dieser Art in Mitteleuropa. Der rasterartige Grundriss ist typisch für die planmäßig angelegten Städte deutscher Siedler. „Wie in einer Momentaufnahme aus dem 13. Jahrhundert zeigt sich das Bebauungsmuster der Stadt und damit die planerischen Vorstellungen der ersten Freyensteiner Bürger“, sagt die Archäologin Claudia Elsholz.

Damit das Mittelalter auch für die Nachwelt erhalten bleibt, plant die Stadt Wittstock, zu der Freyenstein seit gut einem Jahr gehört, auf dem Gelände der Stadtwüstung einen Archäologischen Park. Vorbild sei die Römerstadt Xanten am Rhein, sagt der Wittstocker Bürgermeister Lutz Scheidemann. Es sollen mittelalterliche Häuser aufgebaut und die damalige Lebensweise gezeigt werden. Allerdings kämpfen alle Beteiligten um die Finanzierung des Projekts.

„Im ersten Bauabschnitt benötigen wir 340 000 Euro“, sagt Claudia Elsholz. Für die mit Arbeitsplätzen dünn besiedelte Gegend wäre der Archäologische Park von großer Bedeutung. 20 Stellen könnten entstehen. Und später vielleicht noch mehr, wenn man zu einem ähnlichen Touristenmagnet würde wie Xanten, das fast die Hälfte aller Einnahmen dem Park zu verdanken habe, berichtet Bürgermeister Scheidemann.

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