Der Tagesspiegel : Ausgebucht

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ClausDieter Steyer freut sich über gerettete Denkmale in Brandenburg

ANGEMARKT

Eine ganz romantische Hochzeit in einem Traumschloss mit Kutsche, großer Feier und Gala-Diner? In Brandenburg haben Paare längst die Qual der Wahl. Reichenow, Lübbenau, Steinhöfel, Hubertushöhe, Wulkow – die Liste ließe sich leicht verlängern. An jedem Wochenende herrscht dort Jubel, Trubel, Heiterkeit. Gäste und Gastgeber sind gleichermaßen zufrieden. Dabei gleicht gerade dieses Angebot einem kleinen Wunder. Denn vor zehn Jahren waren die heute wieder im alten Glanz erstrahlenden Häuser mehr oder weniger abrissreif. Gedanken an große Feiern gehörten ins Reich der Fantasie. Mit viel Geld aus öffentlichen Kassen, von Stiftungen und von privaten Konten konnten sie schließlich vor dem Verfall gerettet werden, oft in letzter Minute.

Am gestrigen Tag des offenen Denkmals standen diese Hotels nicht im Mittelpunkt. Da drängelten sich die Neugierigen lieber in alten Mühlen, Kirchen, Wohnhäusern, Kasernen oder anderen, sonst meist verschlossenen Gebäuden wie dem Olympischen Dorf von 1936, wenige Kilometer westlich von Berlin. Viele dieser Ausflugsziele haben keine große Aussicht auf Restaurierung oder wenigstens auf einen Stopp des Niederganges. Wo Geld an allen Ecken fehlt, wird am Denkmalschutz meist zuerst gespart. Brandenburg ist dabei unter den ostdeutschen Bundesländern trauriger Spitzenreiter.

Vielleicht hilft da ein Blick auf die zu renommierten Hotels umgebauten Schlösser. Sie sind in ihren Gegenden nicht nur das touristische Aushängeschild schlechthin, sondern meist auch einer der größten Arbeitgeber und Steuerzahler. So mancher Ort wäre ohne dieses Denkmal ein unscheinbarer Flecken auf der Landkarte. Gerade Brandenburg, das außer einer schönen Natur mit viel Wasser sowie Rad- und Reitwegen nicht viel zu bieten hat, darf die denkmalwürdigen Hinterlassenschaften nicht außer Acht lassen. Die großen Hochzeitsgesellschaften in den Schlosshotels sollten alle Skeptiker überzeugen. Schon jetzt sind vielerorts die besten Wochenendtermine für das nächste Jahr ausgebucht. Es herrscht also genug Bedarf – und das nicht nur an Schlössern.

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