Ausnahmezustand : Bhutto ruft zu Massenprotesten auf

Die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto hat alle oppositionellen Kräfte des Landes zu Massenprotesten gegen Staats- und Armeechef Pervez Musharraf aufgerufen. Außerdem warnt sie davor, dass Islamisten in den Besitz der Atombombe gelangen könnten.

Benazir Bhutto
Benazir Bhutto. -Foto: dpa

HamburgDie Menschen sollten sich "erheben und mutig für ihre Rechte eintreten", sagte Bhutto heute in der Hauptstadt Islamabad. Für Freitag kündigte sie eine Großkundgebung der Opposition gegen die Verhängung des Ausnahmezustands in der Garnisonsstadt Rawalpindi an. Sie forderte Musharraf erneut auf, den Ausnahmezustand zu beenden und wie angekündigt als Armeechef abzutreten. "Die Menschen in meinem Land wollen, dass die Verfassung wieder hergestellt und freie Wahlen abgehalten werden können. Einen anderen Weg gibt es nicht," betonte sie.

Bhutto: Pakistan auf dem Weg in eine Katastrophe

"Pakistan nähert sich in großen Schritten einer gewaltigen Katastrophe. Nur Gott weiß, was passieren würde, bekämen Extremisten volle Kontrolle über die Atommacht Pakistan", sagte Bhutto in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. Pakistan sei "auf dem Weg in den Dschihad, die Anarchie", sagte Bhutto dem Blatt weiter. Unter Musharrafs Führung habe die Armee längst die Kontrolle über zahlreiche Regionen verloren. "Es entstanden Schutzzonen für Terroristen und Extremisten, aus denen sie ungestört ihren Kampf durchführen können", sagte sie. Diese Kräfte mit Verbindungen zum Terror-Netzwerk Al Qaida und den radikalislamischen Taliban hätten schon Afghanistan "in den Bankrott geführt". Pakistans Sicherheitskräften sei es bis heute nicht gelungen, "jene engen Netzwerke zu zerschlagen, die täglich Terror schüren, finanzieren und ausführen", kritisierte die Oppositionspolitikerin.

Oppositionspolitiker flieht aus Hausarrest

Unterdessen floh Oppositionspolitiker Imran Khan nach Angaben seiner früheren Ehefrau aus dem Hausarrest in Lahore. Der Chef der "Bewegung für Gerechtigkeit" halte sich aus Angst vor Repressalien derzeit in einem Versteck auf, teilte seine Ex-Frau Jemima Khan in London mit. "Sie wenden bloße Gewalt gegen Anwälte, Menschenrechtsorganisationen und politische Aktivisten an, und alle echten Oppositionsführer sind im Gefängnis", schrieb Imran Khan in einer E-Mail. Er verstecke sich derzeit zusammen mit dem Großteil seiner Partei und "mit Tausenden anderen". Seit Samstag haben die Sicherheitskräfte nach Schätzungen 3500 Menschen festgenommen.

Der entlassene Oberste Richter Chaudhry erklärte in einer Telefonbotschaft an seine Landsleute, die Zeit sei gekommen, sich gegen die "Diktatur" zu erheben. Nach Verhängung des Ausnahmezustands waren der Musharraf-Kritiker und sieben weitere Verfassungsrichter ihrer Ämter enthoben und unter Hausarrest gestellt worden. (mit AFP und dpa)