Ausrüstervertrag : Rauball erboßt Zwanziger - der erwägt Klage

Der Streit um den Ausrüstervertrag von Adidas für das deutsche Nationalteam zwischen DFB-Präsident Zwanziger und DFL-Kollege Rauball geht in eine neue Runde. Er werde sich nicht der Untreue bezichtigen lassen, so Zwanziger.

Eric Dobias[dpa]
Zwanziger
Will sich die Vorwürfe von DFL-Chef Rauball nicht gefallen lassen: DFB-Präsident Zwanziger. -Foto: ddp

Frankfurt/MainDFB-Präsident Theo Zwanziger hat schwere Vorwürfe gegen Liga-Präsident Reinhard Rauball erhoben und erwägt nach der Kritik des Ligaverbandes an der Verlängerung des DFB-Ausrüstervertrages mit Adidas sogar den Gang zur Staatsanwaltschaft. "Ich überlege ernsthaft, ob ich die Unterlagen der Staatsanwaltschaft übergeben soll. Ich werde keinesfalls, von wem auch immer, den unterschwelligen Vorwurf verbreiten lassen, wir hätten mit diesem Vergleichsabschluss das Vermögen des DFB vorsätzlich geschädigt", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in einem Interview mit der "Sport-Bild".

Zwanziger schließt nicht aus, dass aufgrund der "von der Ligaführung angestellten Zahlenvergleiche" gegen ihn Anzeige wegen Untreue erstattet wird und "eine Staatsanwaltschaft von Amts wegen ermittelt". Daher sei der Fall derzeit in der Prüfung, teilte DFB-Mediendirektor Harald Stenger mit.

Veto der Liga-Vertreter abgeschmettert

Schwere Geschütze fuhr Zwanziger gegen Rauball auf. Er warf dem Liga-Präsidenten vor, auf Konflikt aus zu sein. "Ihm geht es offenbar nicht darum, verantwortungsvolle Politik im deutschen Fußball zu betreiben. Wenn wir zu Nike gewechselt wären, hätte man gesagt: Das sind unanständige DFB-Leute, die mit Tradition und Moral wenig im Sinn haben. Wenn wir bei Adidas bleiben, dann haben wir Geld verbrannt. Solche Doppelstrategien mag ich nicht", kritisierte Zwanziger.

Das zwölfköpfige DFB-Präsidium hatte gegen das Veto der drei Liga-Vertreter die Vertragsverlängerung mit dem langjährigen Ausrüster Adidas beschlossen und offiziell bekanntgegeben. Da die Gesamteinnahmen von 200 Millionen Euro in den Jahren 2011 bis 2018 deutlich unter der 500-Millionen-Offerte des amerikanischen Sportartikelherstellers Nike liegen und den 36 Profivereinen damit etwa 50 Millionen Euro durch die Lappen gehen, hatte Rauball den Abschluss kritisiert. Der Liga-Präsident wollte aber nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen. "Wir haben gesagt, was es zu diesem Thema zu sagen gab. Anderweitige Aussagen werden unsererseits nicht kommentiert."

Schriftform erforderlich für Rechtsgültigkeit?

Zwanziger erneuerte dagegen in dem Interview seine bereits zuvor geäußerte Kritik an Rauball und manifestierte damit die neue Eiszeit im Verhältnis zwischen dem DFB und der DFL-Spitze. "Ich verurteile das Verhalten der Ligaführung in diesem Fall. Wenn man mich in die Nähe einer strafbaren Handlung rückt und dies leichtfertig tut, dann reagiere ich allergisch. Ich lasse meine Ehre nicht mutwillig beschädigen", erklärte Zwanziger. Er habe von der Liga nie ein Zeichen erhalten, dass man aktiv mitwirken wolle. "Es gab eine Mitgliederversammlung der DFL im März, auf der man klar und deutlich gesagt hat: das ist Sache des DFB", sagte Zwanziger.

Erstmals benannte Zwanziger den Grund, warum der DFB seine Rechtsposition im Ausrüsterstreit mit Adidas nach der Verhandlung des Schiedsgerichts urplötzlich aufgegeben und dem Vergleich zugestimmt hatte. Demnach seien bei der letzten Vertragsverlängerung zwischen der Ankündigung im Jahr 2002 und der vertraglichen Schriftform zwölf Monate vergangen. "Dieser Tatsache ist vom Gericht eine ganz starke Bedeutung beigemessen worden. Das heißt, im Ergebnis könnte das Gericht zu der Überzeugung kommen, dass die Schriftform für die Rechtsgültigkeit der Verlängerung nicht erforderlich ist", erklärte Zwanziger.

Der DFB hatte im Vorjahr in einer Presseerklärung angekündigt, dass der zuvor bis Ende 2010 abgeschlossene Vertrag mit Adidas um vier Jahre verlängert werde. Der neue Vertrag wurde jedoch nicht schriftlich fixiert, so dass der Verband die Rechtsgültigkeit bis zuletzt bestritten hatte.