Ausschreitungen im Osten : Fußball hilflos gegenüber Krawallmachern

Trotz umfangreicher Sicherheitsvorkehrungen ist es am Wochenende in Ostdeutschland wieder zu Krawallen am Rande eines Fußballspiels gekommen. Nach den Ausschreitungen von Dresden nahm NOFV-Präsident Moldenhauer die Klubs aber ausdrücklich in Schutz.

Frank Kastner,Tino Meyer
Dresden Krawalle
Hooligans in der Sachsenliga: Gegen einige der Krawallmacher sind erste Strafverfahren eingeleitet worden. -Foto: dpa

LeipzigBlankes Entsetzen im Fußball-Osten: Trotz greifender Sicherheitskonzepte in den Stadien, angeschobener Fanprojekte und der Unterstützung durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) steht man der Gewalt der Hooligans gerade in den unteren Klassen fast hilflos gegenüber. Nur ein halbes Jahr nach den schweren Ausschreitungen in Leipzig kam es am Rande des Landesligaspiels zwischen Dynamo Dresden II und dem 1. FC Lok Leipzig (2:0) am Sonntag erneut zu heftigen Krawallen.

1300 Polizeibeamte nahmen insgesamt 229 Randalierer in Gewahrsam. Zehn Menschen, darunter vier Polizisten, wurden verletzt. "Das ist unfassbar, wenn man sich überlegt, in welcher Liga wir uns bewegen und welcher Aufwand betrieben werden muss", sagte Hans-Georg Moldenhauer, Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV).

Zwei Millionen Euro vom Steuerzahler zu tragen

Die Umsetzung des massiven Sicherheitskonzeptes am Wochenende in der Elbestadt hat den Steuerzahler nach Schätzung des "Fanprojekts Dresden" rund zwei Millionen Euro gekostet. Darin enthalten ist auch das ebenfalls in der höchsten Gefahren-Kategorie eingestufte Regionalligaspiel zwischen Dynamo und dem 1. FC Union Berlin. "Mehr Sicherheit ist nicht zu machen" sagte der Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV), Klaus Reichenbach, und verwies darauf, dass es während der Partie im Stadion keine Zwischenfälle gegeben hatte.

"Es ist nicht mehr der klassische Hooliganismus, der dort stattfindet. Es sind gescheiterte Integrationsmaßnahmen. Die können sich immer wieder entzünden. Heile Welt werden wir nie sein", hatte DFB-Präsident Theo Zwanziger erst vergangene Woche betont. Zugleich forderte Zwanziger "mehr intensive soziale Arbeit mit den Fans".

Funktionäre erkennen Bemühung der Vereine an

Die Funktionäre nahmen die Vereine aber ausdrücklich in Schutz. "Man muss auch anerkennen, wie man sich bei Dynamo bemüht, die Kurve zu bekommen. Das muss man honorieren und nicht nur bestrafen", sagte Reichenbach. "Ich wehre mich dagegen, dass Vereine wie Lok Leipzig und Dynamo Dresden als Haupttäter dastehen und der Vereinsname in Misskredit gezogen wird. Es sind vielmehr 30 bis 40 Leute, die sich in der Masse verstecken", meinte Moldenhauer.

Aus sportrechtlicher Sicht kann im Dresdner Fall vom Fachverband keine Strafe verhängt werden. "Außer ein paar Feuerwerkskörpern war es im Stadion friedlich", sagte Reichenbach. Die immensen Kosten für den Einsatz von Polizei und Bundespolizei gehen immer zu Lasten des Steuerzahlers. "Für Steine werfende Hooligans kann der Verein nicht herangezogen werden. Für die Kostengeltendmachung braucht man eine gesetzliche Grundlage. Es gibt aber keinen Kostenersatz nach dem sächsischen Polizeigesetz", sagte Dr. Ralf Brinktrine von der Universität Leipzig.

Obwohl die Politiker und die Polizei-Gewerkschaften nach den Krawallen im Februar ein härteres Vorgehen gegen Randalierer gefordert hatten, kam es am Sonntag zu keinen Festnahmen. "Wir prüfen, ob es bei Einzelnen notwendig ist, Untersuchungshaft zu beantragen", sagte Sprecher Christian Avenarius von der Dresdner Staatsanwaltschaft. Nach dem Spiel hatten rund 600 Dresdner versucht, die etwa 500 abziehenden Leipziger Fans mit Steinen, Flaschen und Leuchtraketen zu attackieren. Sie trafen jedoch Polizeibeamte, die die Leipziger Fans vom und zum Bahnhof begleitet hatten. (mit dpa)