Außenhandel : Chinas Exporteure überflügeln deutsche Konkurrenz

Unerwarteter Rückschlag für deutsche Exporteure: Sie verkauften im Januar so wenig Waren wie seit einem Jahr nicht mehr. China indes verzeichnet eine starke Bilanz.

BerlinDas Ringen zwischen Deutschland und China um den prestigeträchtigen Titel des Exportweltmeisters scheint ein weiteres Mal entschieden – und die Differenz fällt überraschend deutlich aus.

Denn während die drittgrößte Volkswirtschaft ihre Ausfuhren im Februar überraschend stark steigern konnte – im Vergleich zum Vorjahr legten die Ausfuhren um 45,7 Prozent zu –, mussten die deutschen Exporteure einen Dämpfer hinnehmen: Im Januar sank der Verkauf der Ausfuhren ins Ausland hierzulande im Vergleich zum Vormonat um 6,3 Prozent. Das war der größte Rückgang seit Januar 2009 mit 7,2 Prozent.

Trotzdem rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) weiter mit einer Exporterholung. "Das ist ein schlechter Start ins Jahr", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke. "Das ist nur eine kurzfristige Winterflaute." Das unbeständige Wetter habe viele Baustellen lahmgelegt. "Stahl und andere Vorprodukte für den Bau wurden deshalb weniger nachgefragt", sagte der Experte.

Auch das schwache Wachstum am Jahresende im Euro-Raum – dem wichtigsten deutschen Exportmarkt – habe die Exporte gebremst. "Viele Unternehmen haben nicht die Notwendigkeit gesehen, ihre Lager wieder zu füllen." Doch Besserung sei in Sicht. Dies deuteten steigende Aufträge an. Auch die Unternehmen hätten ihre Exporterwartungen nach oben geschraubt. "Zugpferde sind China und Brasilien, aber auch aus Russland kommen wieder positive Signale", sagte Nitschke.

Der Branchenverband BGA rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzplus von bis zu zehn Prozent. Die steigenden Aufträge begründen die Branchenvertreter mit niedrigen Zinsen und riesigen Konjunkturprogrammen, die den Welthandel wieder aktiviert hätten. Das vor der Krise erreichte Niveau werde aber nicht vor 2012 wieder erreicht. Im Krisenjahr 2009 hatten die erfolgsverwöhnten Exporteure den schwersten Rückschlag seit Gründung der Bundesrepublik erlitten. Der Umsatz brach um 18,4 Prozent auf 803,2 Milliarden Euro ein.

Volkswirte und Analysten zeigten sich ebenfalls zuversichtlich, dass diese überraschend schlechten Zahlen nicht das Ende der Erholung bedeuten: "Die weiter wachsende Weltwirtschaft und die bis zuletzt aufhellenden Exporterwartungen der Unternehmen deuten darauf hin, dass in den kommenden Monaten die Exporte wieder zulegen werden", schreibt etwa die Commerzbank. 

Die Deutsche Bank vermutet einen Sondereffekt hinter der Statistik, denn, so Branchenexperte Stefan Bielmeier, "Produktion und Aufträge waren zuletzt okay". Sein Kollege Jürgen Michels von der Citigroup ist ebenfalls erstaunt. "Es sieht im Moment nicht danach aus, dass der Außenhandel die Konjunktur im ersten Quartal gestützt hat", sagte er. Doch es sei noch zu früh, um den deutschen Export in diesem Jahr gänzlich abzuschreiben. "Es gilt, die Ergebnisse für Februar und März abzuwarten." 

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters