Ausstellung : Die Skythen kommen

Rund 6000 Exponate, darunter prächtige Goldschätze, werden von diesem Freitag an in einer großen Schau über das Reitervolk der Skythen in Berlin präsentiert.

Nadine Emmerich[ddp]
Skythen
Das goldene Trinkhorn eines Skythen-Fürsten. -Foto: ddp

BerlinDie Geschichte und Kultur des Reitervolkes der Skythen, das ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. in der eurasischen Steppe lebte, wird ab Freitag erstmals umfassend in einer Ausstellung gezeigt. In "Im Zeichen des Goldenen Greifen - Königsgräber der Skythen" im Berliner Martin-Gropius-Bau sind rund 6000 Objekte ausgestellt - darunter Goldschätze, die Mumie eines skythischen Kriegers mit Tätowierungen sowie Masken, mit denen die Reiternomaden ihre Pferde beerdigten. Vieles wurde bei den Ausgrabungen entdeckt, die das Deutsche Archäologische Institut (DAI) Berlin und die Staatliche Eremitage St. Petersburg von 200 bis 2003 gemeinsam unternahmen.

Zwar habe es in den 80er und 90er Jahren bereits Skythen-Ausstellungen in Deutschland gegeben, sagte der Kurator Hermann Parzinger, der auch Präsident des DAI ist. Erstmals werde jedoch "die ganze Welt dieser Reiternomaden" präsentiert. Zudem gehe es in der Schau nicht nur um die zahlreichen Goldschätze, sondern auch "um den ganzen Wahnsinn des Totenrituals", den das Volk für seine Führerschicht betrieb.

"Archäologische Sensation"

Der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, sagte, der Fund des Königsgrabes, welches Parzinger und sein Team bei Ausgrabungen in Arzan in Tuva in Südsibirien entdeckt hatten, sei eine "archäologische Sensation" und vergleichbar mit der Entdeckung des Grabes des altägyptischen Pharaos Tutanchamun.

Aus diesem Grab mit Tausenden Goldgegenständen stammt laut Parzinger auch ein goldener Halsreif aus massivem Gold, der sehr kompliziert mit verschiedenen Tierfriesen verziert ist - mit Wildschweinen, Panthern, Rindern, Hirschen, Raubkatzen und Kamelen. Parzinger betonte, die Archäologen seien aber nicht auf Schatzsuche gewesen. Vielmehr sei es darum gegangen, die damaligen Grabmäler und -rituale zu erforschen.

Ausstellung zeigt Grabhügel-Nachbau

Laut dem Kurator ist die Schau "als Reise durch den Steppengürtel konzipiert". Dargestellt werde, wie sich die Reiternomadenkultur, die ihre Anfänge in Südsibirien hatte, entwickelte. Gezeigt wird auch der Aufbau eines Kurgans, wie die meist kegelförmigen Grabhügel genannt werden. Als bedeutend gelten ferner die Funde aus der Altairegion, dem Grenzgebiet zu Kasachstan und der Mongolei, die Aufschluss über Bekleidung und Inventar der Skythen liefern.

Die in Berlin gezeigte Ausstellung ist ein internationales Projekt, an dem neben Deutschland auch Museen und Institutionen aus dem Iran, Kasachstan, Rumänien, Russland, der Ukraine und Ungarn beteiligt sind. Viele Leihgaben waren bisher noch nie in Deutschland zu sehen.

Weitere Stationen sind München und Hamburg

Nach Berlin zieht die bis 1. Oktober laufende Ausstellung weiter in die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München (26. Oktober 2007-27. Januar 2008) und in das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg (15. Februar-25. Mai 2008).

Im Martin-Gropius-Bau sollte die Schau am Donnerstagabend offiziell eröffnet werden. Sie kann ab Freitag täglich von 10 bis 20 Uhr besichtigt werden. (mit ddp)