Ausstellung : Große Matisse-Schau in Stuttgart

Die Staatsgalerie Stuttgart stellt ab Samstag die Porträtkunst von Henri Matisse vor. Bis 11. Januar 2009 sind rund 110 Werke des französischen Künstlers zu sehen, darunter neben zahlreichen Gemälden auch viele Zeichnungen und Skulpturen.

Matisse
Eine Besucherin betrachtet "La coiffure" aus dem Jahr 1907. -Foto: dpa

StuttgartMuseumsdirektor Sean Rainbird sprach am Donnerstag bei der Präsentation der Schau von einem "ungewöhnlichen" Projekt. Matisse (1869-1954) ist vor allem für Stillleben und Interieurszenen bekannt, weniger für Porträts.

Rainbird zufolge wurde dem Porträtwerk von Matisse bislang im globalen Ausstellungsbetrieb keine eigene Schau gewidmet. Mit der Ausstellung "Matisse - Menschen, Masken, Modelle" will die Staatsgalerie nun verdeutlichen, dass auch die Darstellung des Menschen in allen Schaffensphasen des Künstlers eine wichtige Rolle eingenommen hat. "Die Besucher werden unerwartete Seiten von Matisse erleben", sagte Rainbird, der mit dem Projekt auch unter Beweis stellen will, dass thematisch eng gefasste Ausstellungen ein großes Publikum anziehen können.

Exponate aus der ganzen Welt

Die Exponate wurden aus Sammlungen in der ganzen Welt zusammengetragen. Jeweils mehrere Gemälde stammen aus dem Museum of Modern Art sowie dem Metropolitan Museum of Art in New York, aus dem Centre Georges Pompidou in Paris und aus der Staatlichen Eremitage in St. Petersburg. Zwei Gemälde aus Russland werden aber erst ab Dienstag zu sehen sein, weil es wegen bürokratischer Hemmnisse Lieferprobleme gab. Die russische Kulturbehörde habe zunächst eine Staatshaftung für die Ölbilder abgelehnt, hieß es.

Zu den ausgestellten Exponaten zählt unter anderen das berühmte Selbstporträt im Matrosenhemd (1906) aus dem Staatlichen Kunstmuseum Kopenhagen. Auch das Bild "Mademoiselle Yvonne Landsberg" von 1914 wird zu sehen sein, das die Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Kubismus widerspiegelt. Die chronologisch angeordnete Schau beginnt mit frühen Selbstbildnissen um 1900 und reicht bis zu den späten Maskenbildern und Entwürfen zur Rosenkranzkapelle im französischen Vence.

Die Porträts von Matisse, der als Gegenspieler von Picasso gilt, bewegen sich zwischen individueller Charakterisierung und ikonenhafter Maskenhaftigkeit. Der Künstler porträtierte sowohl Familienangehörige als auch Künstlerkollegen, Sammler und Berufsmodelle. Teilweise waren mehr als 100 Sitzungen nötig, bis Matisse ein Werk fertiggestellt hatte. (küs/dpa)