Ausstellung in Finanznöten : Lügenmuseum bei Kyritz muss schließen

Das Lügenmuseum in in Gantikow bei Kyritz öffnet am Sonntag zum letzten Mal seine Türen. Die Ausstellung mehr oder minder ernst gemeinter Exponate verzeichnet nicht genug Einnahmen, um sich finanzieren zu können.

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Gantikow - Wer in der wohl schrillsten Ausstellung Brandenburgs noch einmal Fontanes völlig abgewetzten Wanderschuh, einen singenden Fisch, die Geburtsstube Willy Brandts, das abgeschnittene Ohr von Vincent van Gogh oder die letzten Tonaufnahmen von Bord der Titanic erleben will, muss sich sputen. An diesem Sonntag schließt das Lügenmuseum im kleinen Gantikow bei Kyritz endgültig seine Türen. Eigentümer Reinhard Zabka hat die fristlose Kündigung für seine beispiellose Ausstellung mit mehr als 1000 mehr oder minder ernst gemeinten Kunstexponaten erhalten. Damit endet eine mehrjährige Zitterpartie. 15 000 Euro Mietschulden kann der aus der Ostberliner Künstlerszene stammende Zabka nicht begleichen. „Ich muss definitiv raus, und das im 20. Jahr des Lügenmuseums“, sagt der 60-Jährige.

Zuletzt scheiterten auch die Hoffnungen auf eine Hilfe der Stadt Kyritz, zu dem das 250-Seelen-Dorf Gantikow gehört. „Wir könnten aus dem städtischen Haushalt vielleicht die erforderliche Mietsumme aufbringen“, sagt Bürgermeister Hans-Joachim Winter. „Aber es geht ja um die laufenden Kosten von mehr als 1000 Euro monatlich, die wir nicht tragen können.“ Schließlich stoße das Lügenmuseum in der Region nicht gerade auf große Zustimmung. „Da muss ich schon genau abwägen, ob ich dafür im Sozialbereich einige Leistungen streiche.“ Er wolle aber wenigstens seinen städtischen Bauhof beauftragten, Zabka beim Einpacken der Kisten zu helfen. Die sollen provisorisch in einem Nachbargebäude des Museums untergestellt werden.

„Die meisten Kyritzer und Gantikower verstehen den größten Teil des Museums nicht und trauern ihm nicht nach“, sagt der Lokalredakteur der örtlichen Zeitung, Wolfgang Hörmann. Tatsächlich kommen die meisten der jährlich rund 6000 Besucher aus Berlin. Auch so mancher Durchreisender wird durch das Hinweisschild an der B 5 auf das Lügenmuseum aufmerksam und amüsiert sich in den zwölf Räumen, in denen sich stets irgendwelche Dinge bewegen. Doch die Einnahmen reichen nach dem Auslaufen aller zwölf ABM-Stellen und anderer „Maßnahmen“ des Arbeitsamtes nicht aus. Das Brandenburger Kulturministerium beispielsweise konzentrierte sich auf die Förderung von zehn internationalen Kunstsymposien im und am Museum. Ein vor sechs Jahren als Retter gefeierter Verein, der das Gantikower Gutshaus vom damals schon überschuldeten Museumschef gekauft hatte, ging nun selbst pleite.

Dabei gibt es durchaus Kommunen im Land, die das Lügenmuseum gern aufnehmen würden. Dazu zählen Kremmen am nördlichen Berliner Stadtrand mit seinem alten Kulturhaus, Sommerswalde bei Schwante und Plaue bei Brandenburg. „Ich will aber hier in Gantikow bleiben, denn ich habe mir ja gerade das abgelegene Landleben für meine Kunst ausgesucht“, sagt der gebürtige Erfurter Zabka. Deshalb hält er von den Angeboten bislang wenig. „Am liebsten wäre mir die Gründung einer Stiftung, die sich um die ganzen finanziellen Angelegenheiten kümmert.“ Er selbst werde wohl Hartz IV beantragen müssen, sagt er. „Ich verliere mit der Räumung des Gutshauses schließlich auch meine Wohnung.“

Das Lügenmuseum in Gantikow unweit der B 5 ist noch bis zum Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Auskünfte unter Tel. 033 971 / 54 782, www.luegenmuseum.de

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