Australien : Terrorverdächtiger Inder soll Visum zurückbekommen

Der indische Arzt Mohamed Haneef darf wieder nach Australien einreisen. Haneef hatte in einem australischen Krankenhaus gearbeitet, bis er im Zusammenhang mit den fehlgeschlagenen Anschlägen von London und Glasgow vorübergehend als Terrorverdächtiger inhaftiert wurde.

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Zu Unrecht verdächtigt? Der indische Arzt Mohammed Haneef. -Foto:dpa

BrisbaneHaneef solle sein Visum binnen 21 Tagen zurückerhalten und könne wieder einreisen, entschied ein Bundesgericht im australischen Brisbane. Der australische Einwanderungsminister Kevin Andrews kündigte Berufung gegen die Entscheidung an. Der Entzug von Haneefs Visum sei "im nationalen Interesse" erfolgt "und ich stehe zu dieser Entscheidung".

Haneefs Anwalt Peter Russo sagte, das Gerichtsurteil sei wichtig für das Leben und die Karriere seines Mandanten, der bis zu seiner Festnahme in einem australischen Krankenhaus gearbeitet hatte. Haneef sei zu "weiteren juristischen Kämpfen bereit". Haneef war am 2. Juli auf dem Flughafen von Brisbane wegen des Verdachts der Mittäterschaft bei den versuchten Anschlägen festgenommen worden und erst nach dreiwöchiger Haft freigekommen. Kurz nach der Haftentlassung hatte ihm die Regierung sein Visum entzogen. Der indische Arzt hatte stets seine Unschuld beteuert.

Zentrales Beweisstück gegen Haneef war eine Sim-Karte seines Mobiltelefons, die angeblich in dem Anschlagsauto von Glasgow gefunden worden war. Vor Gericht mussten die Ermittler jedoch zugeben, dass die Karte in Wahrheit acht Stunden nach dem versuchten Anschlag in der Wohnung von Haneefs Cousin in Liverpool gefunden wurde. Am 29. Juni waren in London zwei mit Gasflaschen und Nägeln beladene Autos entdeckt worden; am folgenden Tag raste ein ähnlich präpariertes Fahrzeug in den Eingang des Flughafens von Glasgow. (mit AFP)