Auszeichnung : Deutscher Buchpreis geht an Julia Franck

Der Deutsche Buchpreis 2007 für den besten aktuellen Roman in deutscher Sprache geht in diesem Jahr an die Schriftstellerin Julia Franck. Die 37-Jährige erhält den Preis für ihr Werk "Die Mittagsfrau".

Buchpreis
Junges Talent. Für ihren Roman "Die Mittagsfrau" erhält Julia Franck den Deutschen Buchpreis 2007.Foto: dpa

Frankfurt/MainDie Schriftstellerin erhielt die vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels ins Leben gerufene und mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung im Frankfurter Römer.

Zur Begründung erklärte die Jury, Francks Buch überzeuge durch sprachliche Eindringlichkeit, erzählerische Kraft und psychologische Intensität. "Die Mittagsfrau" sei "ein Roman für lange Gespräche". Die Jury habe sich mit großer Mehrheit für diesen Roman entschieden, hieß es weiter. "Das Buch hinterlässt Spuren", sagte Jury-Sprecherin Felicitas von Lovenberg.

Sie sei "überrascht" über die Auszeichnung, sagte Franck in ihrer Dankesrede und spielte damit auch auf die Debatte im Feuilleton über ihren Roman an. Neben überschwänglichen Rezensionen hatte es in den vergangenen Monaten auch kritische Stimmen gegeben. Es sei "wunderbar", wenn im Feuilleton über deutsche Gegenwartsliteratur diskutiert werde, sagte Franck.

Die 37-jährige Franck porträtiert in ihrem Roman eine deutsch-jüdische Familie. Vor dem Hintergrund zweier Weltkriege steht in der "Mittagsfrau" die Krankenschwester Helene im Mittelpunkt, die ihren Sohn verlässt. In den Roman hat die Autorin auch Teile ihrer eigenen Familiengeschichte eingewoben.

Julia Franck wurde 1970 in Berlin-Lichtenberg geboren. 1978 siedelte ihre Familie in den Westen über. An der Freien Universität (FU) Berlin studierte Franck Altamerikanistik, Philosophie und Germanistik. 1997 veröffentlichte sie ihren Debütroman "Der neue Koch". Es folgten 1999 der Roman "Liebesdiener" und 2000 der Erzählband "Bauchlandung". Nach der Geburt ihrer beiden Kinder erschien im Herbst 2003 der Roman "Lagerfeuer".

Jury las 120 Romane

Nominiert für den diesjährigen Buchpreis waren ferner die Autoren Thomas Glavinic, Michael Köhlmeier, Katja Lange-Müller, Martin Mosebach und Thomas von Steinaecker mit ihren aktuellen Büchern. Alle fünf erhalten je ein Preisgeld von 2500 Euro. Vorausgegangen war der Entscheidung ein monatelanges Auswahlverfahren. Die siebenköpfige Jury las knapp 120 Romane, die von Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgeschlagen worden waren.

2005 hatte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Buchpreis erstmals vergeben. Gewinner war der Österreicher Arno Geiger für seinen Roman "Es geht uns gut". Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an Katharina Hacker für "Die Habenichtse". Der Preis hat sich in kurzer Zeit ein großes Renommee erworben. (mit ddp, dpa)