Auszeichnung : Seehofer ehrt couragierten Gammelfleisch-Fahrer

Bundesverbraucherminister Seehofer hat einen Lastwagenfahrer ausgezeichnet, der bei der Aufklärung des jüngsten Gammelfleischskandals in Bayern geholfen hat. Der 49-Jährige informierte die Polizei, als er merkte, dass Schlachtabfälle als Fleisch- und Wurstwaren etikettiert waren.

Seehofer überreicht Ehrenplakette an Lkw-Fahrer
Zivilcourage zeigen. Verbraucherminister Seehofer ehrt den Lkw-Fahrer Miroslaw Ricard Strecker. -Foto: dpa

Berlin Sechs Wochen nach Aufdeckung des Gammelfleisch-Skandals in Bayern hat Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) den Informanten mit der erstmals verliehenen "Goldenen Plakette" seines Hauses ausgezeichnet. Er bescheinigte dem Fahrer eines Fleischtransporters "ein außergewöhnliches Maß an Gemeinsinn". Der Einsatz "ist ein nachahmenswertes Beispiel", sagte er und rief die Bundesbürger zu mehr Zivilcourage auf.

Der Fahrer hatte Ende August Schlachtabfälle von Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein zu einem Fleischhändler nach Wertingen in Bayern transportiert. Der 49-Jährige wurde mißtrauisch, als er bei der Ankunft das Schild "Fleisch- und Wurstwaren" sah. "Da war mir klar, dass irgendwas nicht stimmen konnte." Er habe den Lastwagen so parken müssen, dass kein Nachbar ihn einsehen konnte. Beim Entladen habe der Mann der Geschäftsführerin die Etiketten entfernt und das Kühlaggregat ausgeschaltet.

Seehofer will Informantenschutz gesetzlich verankern

Der Fahrer rief später zunächst bei der Polizei an, dann bei IHK und Gewerbeaufsicht. Damit half er bei der Sicherstellung von 11,5 Tonnen Gammelfleisch. Der Fleischhändler soll bis zu 180 Tonnen Schlachtabfälle umetikettiert und an Döner-Händler nach Berlin verkauft haben.

Seehofer warf den lokalen Behörden vor, sie seien aus seiner Sicht "völlig unzureichend mit dem Thema umgegangen." Obwohl der Betrieb 13 Mal kontrolliert worden sei und Nachbarn Verdacht gehegt hätten, sei nichts passiert. Seehofer will Informanten besser gegen arbeitsrechtliche Konsequenzen schützen. "Wir werden im Herbst den Informantenschutz gesetzlich verankern." Er wolle bei Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) einen Vorstoß unternehmen, dies zunächst nur für Lebensmittel zu regeln. Am 24. Oktober will das Kabinett über höhere Bußgelder und eine Meldepflicht bei angebotenem Gammelfleisch beraten. (mit dpa)