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Wohin fahren Peugeot und Citroën ? : Aufholjagd mit Hybrid-Air und Diesel

30.05.2013 09:44 UhrVon Martin Lewicki
Der neue Citroën Picasso ist das erste Modell, welches auf der neuen Plattform EMP2 gebaut wird. Foto: HerstellerBild vergrößern
Der neue Citroën Picasso ist das erste Modell, welches auf der neuen Plattform EMP2 gebaut wird. - Foto: Hersteller

Peugeot und Citroën leiden stärker als die Konkurrenz unter der Krise auf dem Automarkt. Seit Monaten brechen die Absätze zweistellig ein und nur durch Sparen lassen sich die leere Kassen des PSA-Konzerns auch nicht mehr füllen. Die Franzosen wollen nun nicht nur mit Stil, Charme und Individualität überzeugen, sondern auch mit innovativen Antrieben. Geht die Strategie auf, um im automobilen Haifischbecken zu überleben?

Die Magie vergangener Tage
Einige Automobilisten werden sich noch an das hydropneumatische Fahrwerk und das Kurvenlicht einer Citroën DS erinnern. Diese Innovationen grenzten vor 40 Jahren nahezu an Zauberei. Als ein Kind von damals wird man es nie vergessen, wie die DS sich dank der Hydropneumatik magisch anhob, wenn sie gestartet wurde oder sich elegant auf den Asphalt „legte“ beim Ausschalten. Da konnten weder Mercedes-Benz noch Rolls-Royce mithalten und so blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Lizenz für das oft als „Fliegender Teppich“ betitelte Fahrwerk zu erwerben.

Lang ist es her und im laufe der Jahrzehnte verlor Citroën immer mehr an innovativer Strahlkraft und individuellem Charme, vor allem seitdem es 1975 von Peugeot übernommen wurde.

Das lag auch daran, dass die beiden Automarken sich immer stärker die Plattformen und Technologien teilten. Aus heutiger Sicht ist es eine sehr fortschrittliche Unternehmensstrategie, wenn man sich den erfolgreichen VW-Konzern anschaut. Allerdings muss bei der Gleichteilestrategie sehr darauf geachtet werden, dass die jeweilige DNA einer Marke erhalten bleibt.

Frische Identität für die Zukunft
Um Fortschritt, Innovation und Identität ging es auf dem ersten Innovationstag des PSA-Konzerns in Deutschland vor wenigen Tagen. Die Marken Peugeot und Citroën preschen mit aller Macht nach vorn und wollen nicht nur ihre Positionen in Europa halten, sondern vor allem auch neue Märkte erobern. Mittlerweile verkauft PSA nur noch etwa 50 Prozent der Fahrzeuge in Europa, die andere Hälfte wird hauptsächlich in Asien und Südamerika abgesetzt. Natürlich will auch der PSA-Konzern von dem boomenden chinesischen Markt ein großes Stück abhaben und plant dort viermal schneller zu wachsen als der Rest des Marktes.

Unter Druck: Bei der Hybrid-Air-Technik kann auf die teueren Batterien verzichtet werden. Die Energie wird über ein Druckluftsystem gespeichert. Foto: HerstellerBild vergrößern
Unter Druck: Bei der Hybrid-Air-Technik kann auf die teueren Batterien verzichtet werden. Die Energie wird über ein Druckluftsystem gespeichert. - Foto: Hersteller

Um die ambitionierten Ziele zu erreichen startet PSA eine große Offensive. Dazu gehört zunächst eine Neupositionierung der Marken. Peugeot hat sich die Attribute „Excellence, Allure, Emotion“ auf die Haube geschrieben. Man möchte weniger hektisch auftreten, stattdessen mit kontrollierten Linien und ausbalancierten Proportionen für Ruhe und Gelassenheit im Design sorgen. Citroën wiederum hat zwei Identitäten: Die C-Linie soll Wohlbefinden & Optimismus ausstrahlen, während die teurere DS-Linie den Pariser Chic und den extravaganten Mode-Lifestyle verkörpert. In China ist die DS-Linie sogar als eine eigenständige Premiummarke positioniert mit superschicken Verkaufstempeln.

Mehr Innovationen, schnellere Umsetzung
Doch auch in Frankreich ruht man sich schon lange nicht mehr auf schickem Outfit und einer Laissez-faire-Haltung aus. Die Franzosen stehen unter Innovationsdruck in einer Zeit, in der die Gesellschaft nach alternativen, umweltfreundlichen Antrieben verlangt. Dabei hat der PSA-Konzern beste Vorraussetzungen. Mit insgesamt etwa 24.000 verkauften Hybrid-Fahrzeugen ist Peugeot die Nr. 1 unter den europäischen Herstellern. Das und der hohe Dieselanteil verhelfen den beiden französischen Automarken zu den vorderen Plätzen im europäischen Vergleich, wenn es um den niedrigsten CO2-Ausstoß geht.

Bis 2016 soll die Hybrid-Air-Technik in Modellen von Peugeot und Citroën auf die Straße kommen. Foto: HerstellerBild vergrößern
Bis 2016 soll die Hybrid-Air-Technik in Modellen von Peugeot und Citroën auf die Straße kommen. - Foto: Hersteller

Diese Position soll weiter ausgebaut werden, indem immer stärker an der Effizienzschraube gedreht wird. Ein Ansatzpunkt ist wie so oft die Gewichtsreduktion, denn 100 Kilogramm weniger Gewicht bedeuten 8-10 Gramm weniger CO2-Ausstoß. Zudem erfordert der geringere Materialeinsatz auch weniger Energie bei der Produktion. Das Zauberwort für die Zukunft lautet „Werkstoffmix“, bei dem organische Werkstoffe mit Glasfaser und Leichtmetallen in der Karosseriestruktur miteinander verbunden werden.

Besonders stolz ist man auf die bereits erreichte Gewichtsreduktion beim kommenden Peugeot 308. Die Dieselmodelle wurden um bis zu 110 Kilogramm leichter im Vergleich zum Vorgänger. Beim Benziner sind es sogar bis zu 150 Kilogramm. Allein 70 Kilogramm Einsparung gehen auf das Konto der völlig neuen EMP2-Plattform. Sie ist die flexible Allzwecklösung für die meisten neuen Modelle und feiert ihre Premiere in dem bald erscheinenden Citroën Picasso.

Neuer Pioniergeist mit Hybrid Air
Den größten Anteil an der Kraftstoffeinsparung haben nach wie vor die Antriebe. Und genau hier hat PSA mit dem sogenannten Hybrid Air Pionierarbeit geleistet. Dabei handelt es sich um ein vollkommen neues Vollhybrid-System für kleine Fahrzeuge aus dem B- und C-Segment mit Benzinmotor. Die rekuperierte Energie wird nicht wie sonst üblich in einer Batterie gespeichert, sondern in einem Druckluftspeicher.

Der Aufbau des Antriebssystems ist relativ einfach und zum Großteil mechanisch. Es besteht aus einem Benzinmotor, einem Druckluft-Energiespeicher, einer Motor-Hydraulikpumpeneinheit und einem Automatikgetriebe mit Planetenradsatz. Der Verzicht auf teuere Batterien macht diese Hybridlösung besonders günstig in der Produktion und unkompliziert in der Wartung.

Verglichen mit einem Batterie-Vollhybrid ist die Arbeitsweise des Systems gänzlich anders. Die meiste Energie wird nicht beim Bremsen, sondern beim Beschleunigen des Fahrzeugs gespeichert. Das Ermöglicht eine extrem schnelle Energiegewinnung. Lediglich 10 Sekunden dauert es, bis der Druckluftspeicher voll ist. Zwar ist die gespeicherte Energie im Vergleich zu einer Batterie wesentlich geringer, kann dafür aber viel häufiger generiert und abgerufen werden. Diese Art der schnellen Energiegewinnung senkt den Verbrauch im Stadtverkehr um bis zu 45 Prozent.

Mit dem Hybrid Air möchte der PSA-Konzern seine Innovationskraft unter Beweis stellen und es als Wegweiser für weitere Projekte nutzen. Denn erstmals hat PSA auch neue Arbeitsstrategien entwickelt. Nach dem Motto „One team one project“ möchte man auch in Zukunft Innovationen schnell vorantreiben und auf den Markt bringen. Dabei sollen auch starke Partnerschaften von Anfang an mit Zulieferern geknüpft werden, wie in diesem Fall mit Bosch, um gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Beim Hybrid Air dauert es allerdings noch ein wenig bis zur Serienreife: 2016 können wir mit dieser Technologie auf öffentlichen Straßen rechnen.

Der Diesel lebt!

Mit dem eleganten Peugeot 308, der in diesem Jahr auf den Markt kommen wird, verbinden sich bei Peugeot große Hoffnungen. Er soll die Absatzzahlen aus dem Keller holen. Foto: HerstellerBild vergrößern
Mit dem eleganten Peugeot 308, der in diesem Jahr auf den Markt kommen wird, verbinden sich bei Peugeot große Hoffnungen. Er soll die Absatzzahlen aus dem Keller holen. - Foto: Hersteller

Viel Früher kommt eine weitere Innovation, die zwar nicht zur Verbrauchsreduzierung beiträgt, dafür aber für eine sauberere Luft sorgt. Mit Blue HDi führen Peugeot und Citroën eine neue Technologie zur Behandlung der Stickoxide bei Dieselmotoren ein. Dank der sogenannten selektiven katalytischen Reduktion mit Harnstoffeinspritzung werden über 90 Prozent der emittierten Stickoxide abgebaut. Damit erreichen die Motoren die EURO-6-Norm. Doch das Beste daran: Bis Ende 2013 soll die gesamte Dieselfahrzeugpalette des Konzerns auf diese umweltfreundliche Abgasnachbehandlung umgestellt werden. – Ohne einen Mehrpreis für die Kunden zu verursachen. Allein das macht die Franzosen schon sympathisch. Insofern wünscht man sich gerne mehr solcher Innovationen, die der Effizienz und der Umwelt dienen. Dann klappt es auch mit dem Überleben im automobilen Haifischbecken. Bonne chance!

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