Autobiografie Günter Grass : "Ich erwarte eine faire Aufnahme in den USA"

Als die Autobiografie des Literaturnobelpreisträgers in Deutschland erschien, war der Wirbel um sein spätes Waffen-SS-Geständnis groß. In den USA erhofft sich Grass mehr literarische Aufmerksamkeit für sein Werk.

Günter Grass Foto: ddp
Foto: ddp

New YorkLiteraturnobelpreisträger Günter Grass erwartet eigenen Worten zufolge eine "faire Aufnahme" seiner Autobiografie in den USA. Das Buch "Beim Häuten der Zwiebel" sei inzwischen auch in England erschienen und habe dort durchgehend eine sachliche literarische Kritik erfahren, sagte der 79 Jahre alte Autor zum Auftakt eines einwöchigen Besuchs in New York. "Da gab es nicht diese Aufgeregtheiten, die wir im vergangenen Jahr in Deutschland erlebt haben. Das sind Leser, die auf das Buch eingegangen sind, und das erwarte ich hier auch."

In seiner Autobiografie hatte Grass erstmals seine kurzzeitige Zugehörigkeit zur Waffen-SS als Jugendlicher Ende des Krieges publik gemacht, was in Deutschland für großes Aufsehen sorgte. Kritisiert  wurde vor allem das "lange Schweigen" des Nobelpreisträgers über diesen Punkt seiner Vergangenheit. Bei seinem New-York-Besuch will Grass das Buch in mehreren Lesungen dem amerikanischen Publikum vorstellen. Es erscheint in diesen Tagen in den USA mit einer Startauflage von 40.000 Exemplaren. Lektorin Drenka Willen vom Harcourt-Verlag sagte, nach den bisher vorliegenden Rezensionen werde das Werk in Amerika hervorragend aufgenommen.

Umfangreiche Ausstellung mit Grafiken Grass'

Zum Auftakt seiner Visite eröffnete Grass am Sonntag im New Yorker Stadtteil Chelsea eine Ausstellung mit mehr als 70 seiner seit 1972 entstandenen Grafiken. Nur selten sei sein grafisches Werk so umfangreich gezeigt worden, sagte eine Sprecherin. Zu sehen sind unter anderem eine Radierung zur "Blechtrommel" sowie zwei Zwiebel-Lithographien. Nach Lesungen am Montag und Dienstag wird am Mittwoch mit besonderer Spannung ein Gespräch zwischen Günter Grass und Norman Mailer erwartet. (mit dpa)