Autohaus in Hennigsdorf : Reine Frauensache

Im neuen Autohaus in Hennigsdorf ist die Chefin erst 23 Jahre alt. Sie beschäftigt nur weibliches Personal, was nicht nur männliche Kunden freut.

Claus-Dieter Steyer

Hennigsdorf – Auf den ersten Blick unterscheidet sich das neue Autohaus in der Fabrikstraße im nordwestlich Berlins gelegenen Hennigsdorf nicht von anderen Verkaufssalons. Hinter großen Scheiben stehen blank geputzte Karossen unterschiedlicher Größe, Ausstattung und Preise. Potenzielle Käufer lassen sich beraten oder betrachten neugierig die Preis- und Finanzierungsangebote.

Und doch weist das Autohaus „Senorita Maria“ beim längeren Hinsehen einige Besonderheiten auf. Es schlendern zwar auffallend viele junge männliche Gäste um die ausgestellten Seat-Modelle herum. Aber ihre Neugierde gilt weniger den Fahrzeugen als dem Personal. Denn hier schmeißen ausschließlich junge Damen den Laden. Das hat sich seit der Eröffnung Anfang Oktober offenbar herumgesprochen. Schließlich gibt es ein Autohaus mit angeschlossener Werkstatt, in dem nur Frauen bedienen, kein zweites Mal in Deutschland.

Die Geschäftsführerin nähert sich mit einem lauten Klacken ihrer Stiefel auf den hellen Fliesen der Gesprächsecke. Gerade 23 Jahre zählt Maria Erkner, die mit dem Autohaus den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Kurz zuvor hatte sie ihr Studium der Betriebswirtschaftslehre erfolgreich abgeschlossen. Nun leitet „Fräulein Maria“, oder auf Spanisch „Senorita Maria“ ein Team von acht Frauen zwischen 19 und 26 Jahren. Die kennen sich nicht nur mit Bilanzen, Rechnungen und Autoverkauf aus, sondern auch mit Motoren, Batterien, Reifen oder Katalysatoren.

Die Idee zu diesem reinen Frauen-Autohaus wurde innerhalb der Familie geboren. Marias Großvater, Siegfried Erkner, und Vater Sven unterhalten mehrere Autohäuser im Berliner Umland. „Da habe ich beobachtet, dass der Autokauf fast immer eine Männerdomäne darstellt“, erzählt die blonde Chefin. „Selbst wenn ein Paar das Autohaus betritt, unterhalten sich die Autoverkäufer fast ausschließlich mit dem Mann, während die Frau artig daneben sitzt und bei den technischen Fachbegriffen ohnehin abschaltet.“

Das laufe in ihrem Autohaus jetzt etwas anders ab, sagt Maria Erkner. Die Kommunikation von Frau zu Frau klappe viel besser. Da rückten Details in den Mittelpunkt eines Gesprächs über ein Auto, die sonst weniger Beachtung finden: „Wir sprechen beispielsweise viel mehr über Ausstattung, Farbe, Design, Innenspiegel, Bedienkomfort und Aussehen.“

Auch beim Werkstattbesuch nimmt das junge Team den Frauen die Schwellenangst. Die mitunter schwer zu verstehenden Fachbegriffe auf den Rechnungen werden so einfach wie möglich erklärt. Künftig wollen die Damen aus der Werkstatt auch Schnellkurse für den Reifen-, Batterie- oder Ölwechsel anbieten.

Von Seat gibt es nur positive Reaktionen. Man unterstütze die Idee, ohne dass Sonderkonditionen gewährt würden, heißt es. Man wolle aber Erfahrungen sammeln. Das Startkapital für die eigene GmbH spendierte Maria Erkners Vater.

Bei aller Euphorie herrscht im Team aber nicht nur eitel Sonnenschein. Neun junge Frauen streiten sich schon hin und wieder über den „ganz normalen Zickenkram“, wie sie zugeben. Und wenn sich bei der einen oder anderen jungen Frau Nachwuchs einstellt, müssten die Dienstpläne nach ganz anderen Kriterien koordiniert werden als bisher, sagt die Chefin.

Unter den wirklich interessierten Kunden halten sich Frauen und Männer übrigens ungefähr die Waage. Viele Herren kommen aber einfach nur aus Neugierde vorbei, um das junge Personal einmal zu beobachten oder es gar mit „Fangfragen“ auf die Probe zu stellen. Doch auch die Verkaufsbilanz kann sich sehen lassen: Im Oktober verkaufte „Senorita Maria“ rund ein Dutzend Autos – ganz ohne Abwrackprämie. Claus-Dieter Steyer

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