Autoindustrie : Boom im Inland, schwach im Ausland

Die Zahl der Neukäufe von Autos ist auch im April weiter gestiegen. Dies liegt hauptsächlich an der Abwrackprämie. Die großen deutschen Premium-Marken profitieren hiervon allerdings kaum.

Frankfurt/Main/Flensburg Mit knapp 380.000 Neuzulassungen kamen 19,4 Prozent mehr fabrikneue Autos auf die Straßen als im gleichen Monat des Vorjahres. Das teilten das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) und der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit. Die Zulassungszahlen vom März wurden allerdings um 5,3 Prozent verfehlt. In den ersten vier Monaten erreichte der deutsche Automarkt ein Plus von 18,4 Prozent auf 1,25 Millionen Fahrzeuge. Wegen der schwachen Nachfrage aus dem Ausland mussten die deutschen Hersteller dennoch ihre Produktion deutlich drosseln.

Die vor allem von der Abwrackprämie und der Neuregelung der KFZ-Steuer ausgelöste Nachfrage bescherte den Herstellern laut VDA seit Jahresbeginn einen zusätzlichen Absatz von rund 200.000 Wagen. Besonders gefragt waren wegen der staatlichen Förderung vor allem Klein- und Kleinstwagen, die gegenüber dem Vorjahresmonat ihren Absatz fast verdoppelten. Für die großen deutschen Premium-Marken fällt allerdings bei der staatlichen Abwrackprämie so gut wie gar nichts ab.

Die internationalen Gewinner heißen Fiat, Hyundai und Skoda. In Deutschland sind es die Marken Opel, Ford und VW, die jeweils hohe Zuwachsraten verbuchten. Fiat schaffte es sogar, sich mit fast 68.000 neu zugelassenen Autos und einem Absatzplus von 116 Prozent in den ersten vier Monaten an die Spitze aller Importmarken zu setzen. Das ist ein Marktanteil von 5,4 Prozent. Es folgen Skoda (5,3 Prozent Marktanteil), Renault/Dacia (4,9Prozent) und Toyota (4,2 Prozent). Opel ist mit mehr als 107.000 verkauften Autos in Deutschland allerdings deutlich verbreiteter.

Der Export bereitet deutschen Herstellern Sorgen

Bei den deutschen Premium-Marken hielt sich Audi mit einem Zulassungsminus von 1,8 Prozent in den ersten vier Monaten noch am besten; Mercedes musste dagegen einen Rückgang von 25 Prozent und BMW/Mini von 16 Prozent hinnehmen. Porsche lag bislang um 19 Prozent unter dem Vorjahr. Nach den Daten des KBA entfallen mehr als zwei Drittel der Neuzulassungen auf private Kunden. Fast ebenso hoch ist der Anteil von kleineren Autos bis hin zur Kompaktklasse am Automarkt.

Im Inland ging im April der Anteil der Importautos auf 41,9 Prozent leicht zurück, wie der Importeursverband VDIK mitteilte. Im März war noch fast jeder zweite verkaufte Neuwagen von einem ausländischen Hersteller gekommen.

Die Kaufimpulse erfüllten offensichtlich die von der Politik beabsichtigte Brückenfunktion. Sie könnten zwar das schwache Auslandsgeschäft nicht vollständig kompensieren, sicherten aber die Beschäftigung angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise, erklärte VDA-Präsident Matthias Wissmann.

Einbrüche gab es hingegen auf den Exportmärkten. Die Ausfuhren gingen im April im Jahresvergleich um fast die Hälfte zurück. In den USA gab es im April einen weiteren Verkaufsrückgang um 34 Prozent, wenngleich die deutschen Hersteller ihren Marktanteil um einen Punkt auf 7,3 Prozent steigern konnten. In der Folge wurde die Produktion der deutschen Hersteller im Inland zurückgefahren: Mit 382.000 Stück lag sie im April um 34 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. (aku/dpa)